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Die heiligen Schriften – kostbarer als Gold und süsser als Honig

Schwester Susan W. Tanner
Präsidentin der Jungen Damen
CES-Fireside für junge Erwachsene • 11. September 2005 • Brigham-Young-Universität

Schwester Susan W. TannerVielen Dank an den herrlichen Chor. Die Musik war sehr schön und dem Geist sehr förderlich. Ich bin auch für das Anfangsgebet dankbar. Mir ist vor allem aufgefallen, dass darum gebetet wurde, dass wir alle heute Abend den Geist verspüren und Inspiration für das empfangen, was wir gerade besonders benötigen. Genau das wünsche ich mir auch. Ich bin so dankbar, dass ich heute Abend bei Ihnen sein kann. Aber wenn es nach mir ginge, könnte diese Andacht eine ganz altmodische Fireside sein, dann säßen wir bei mir im Wohnzimmer und könnten offen und ehrlich miteinander sprechen, wie ich das mit meinen Kindern tun würde, die in Ihrem Alter sind. Wahrscheinlich würde ich Ihnen zuerst von meiner Tochter erzählen, die auf Mission ist. Tun das nicht die meisten Mütter von Missionaren? Vor kurzem schrieb ich ihr, dass ich heute Abend darüber sprechen würde, wie sehr ich die heiligen Schriften liebe. Darauf hat sie geantwortet:

„Ich freue mich, dass Mutter über das Schriftstudium spricht! Ich glaube, was sich bei mir am meisten geändert hat, ist, wie ich die heiligen Schriften studiere. Das Schriftstudium macht mir jetzt so große Freude! Ich freue mich jedes Mal, wenn ich Zeit zum Studieren habe. Es ist schwer zu erklären, außer dass es mir wie in Alma 32:28 geht – das Wort wird köstlich. Es ist so schön! Ich glaube, früher mochte ich die Schriften nur, jetzt liebe ich sie! Meine Mitarbeiterin sagt, dass sie es bei den Belehrungen sofort merkt, wenn ich vorhabe, eine Schriftstelle aufzuschlagen, denn zuerst bekomme ich leuchtende Augen und dann fange ich an, in den Schriften zu blättern. Am liebsten beantworte ich Fragen mit Hilfe der heiligen Schriften.“

Ich hoffe, dass meine Tochter heute Abend in Australien zuhören kann und dass sie sich noch mehr zum Schriftstudium motivieren lässt, falls das überhaupt möglich ist. Ebenso hoffe ich, dass das Wort auch für Sie köstlich wird, wie für meine Tochter und mich, denn die heiligen Schriften sind wahrlich „kostbarer als Gold“ und „süßer als Honig“ (Psalm 19:11).

Die heiligen Schriften – kostbar und süß

Kennen Sie noch den armen Milchmann Tevje aus dem Musical Anatevka mit seinen fünf Töchtern, der davon träumt, reich zu sein? Was würden Sie sich wünschen, wenn Sie reich wären? Wahrscheinlich das eine oder andere, was er sich auch wünscht. Er will ein bedeutender Mann sein, ein großes Haus haben, nicht mehr so hart arbeiten müssen und so weiter. Das sind aber nicht seine innigsten Wünsche. Sein größter Traum, wenn er reich würde, mag uns ungewöhnlich erscheinen. Wissen Sie noch? Er singt:

Wenn ich einmal reich wär, hätt ich Zeit,
zum Beten oft in die Synagoge zu gehn.
Ein Ehrenplatz dort wäre mein schönster Lohn.
Mit den Gelehrten diskutierte ich Tag für Tag heilige Bücher – ach, das wünschte ich mir schon.
(Text von Sheldon Harnick, „Wenn ich einmal reich wär“, aus
Anatevka, 1965.)

Wenn Sie reich wären, würden Sie dann in Ihrer Freizeit heilige Bücher, das heißt die heiligen Schriften, studieren? Wenn Sie reich wären, wäre es Ihr größter Wunsch, mehr Zeit dafür zu haben, sich eingehend mit den heiligen Schriften zu befassen?

Die heiligen Bücher zu studieren betrachteten die orthodoxen Juden als einen Segen – einen großen Vorzug. Ja, es gibt Traditionen im Judentum, bei denen ein Kind, wenn es die Thora zu studieren beginnt, Honig bekommt, damit es das Studium der heiligen Bücher mit etwas Süßem, Angenehmem verbindet. Damit soll bestärkt werden, was in den Psalmen zu lesen ist: „Wie köstlich ist für meinen Gaumen deine Verheißung, süßer als Honig für meinen Mund.“ (Psalm 119:103.)

Auch Psalm 19 vergleicht die Schriften mit Gold und Honig. Der Psalmist frohlockt über das Wort des Herrn:

„Die Weisung des Herrn ist vollkommen, sie erquickt den Menschen. Das Gesetz des Herrn ist verlässlich, den Unwissenden macht es weise.

Die Befehle des Herrn sind richtig, sie erfreuen das Herz; das Gebot des Herrn ist lauter, es erleuchtet die Augen.

Die Furcht des Herrn ist rein, sie besteht für immer. Die Urteile des Herrn sind wahr, gerecht sind sie alle.

Sie sind kostbarer als Gold, als Feingold in Menge. Sie sind süßer als Honig, als Honig aus Waben.

Auch dein Knecht lässt sich von ihnen warnen; wer sie beachtet, hat reichen Lohn.“ (Psalm 19:8-12.)

All die Begriffe in dieser Schriftstelle – Weisung, Gesetz, Befehle, Gebot, Furcht (oder Ehrfurcht) und Urteile – stehen für das Wort des Herrn oder die heiligen Schriften. „Sie sind kostbarer als Gold, als Feingold in Menge. Sie sind süßer als Honig, als Honig aus Waben.“

Manchmal denke ich, wir sollten mehr wie Tevje empfinden und wie meine Tochter. Sind uns die heiligen Schriften köstlich – so kostbar wie Gold und süßer als Honig? Weiden und erfreuen wir uns an ihnen, sinnen wir über sie nach, wie Nephi es sagt? (Siehe 2 Nephi 4:15,16.) Wenden wir sie auf uns an, wie Jakob uns rät? (Siehe 2 Nephi 6:5.) Forschen wir darin nach dem Wort, das der Herr konkret an uns richtet, das uns bekehrt, uns Weisheit, Erleuchtung, Offenbarung, Trost und Freude schenkt? Erkennen wir in ihnen eine unserer schönsten, erhabensten Segnungen?

Hunger nach den heiligen Schriften

Wenn wir mehr nach den heiligen Schriften hungerten, wären sie uns vielleicht sogar noch angenehmer und kostbarer. Vor einigen Monaten war ich in Afrika unterwegs, wo die Heiligen zwar oft Hunger nach Nahrung haben, aber interessanterweise noch mehr nach dem Wort des Herrn. In den vier Ländern, die ich besuchte, spürte ich den machtvollen Geist und den großen Glauben der Menschen. Materiell gesehen hatten sie sehr wenig, geistig waren sie jedoch reich. Sie hatten die frohe Botschaft des Evangeliums – die klaren und kostbaren Wahrheiten aus den heiligen Schriften. Zu jeder Versammlung brachten sie ihre abgenutzten Schriften mit. Sie lehrten daraus, lasen daraus vor, kannten und liebten sie.

In einer Abendmahlsversammlung trat ein Jugendlicher, der eine Ansprache halten sollte, nur mit seinen Schriften ans Pult. Er benahm sich wie die meisten Jugendlichen – er zog den Kopf ein und zappelte mit den Füßen, aber seine Botschaft war machtvoll. Er sprach über das Opfern und begann mit Schriftstellen über das Blutopfer aus dem Alten Testament. Dann kam eine elegante Überleitung zum 3. Nephi im Buch Mormon, und er sagte, dass das Alte mit dem Kommen des Erretters abgeschafft wurde, der jetzt ein reuiges Herz und einen zerknirschten Geist als Opfer fordere. Er hatte keinerlei Notizen, sondern nur das, was er von der Lehre wusste. Er war ein Musterbeispiel dafür, wie wir alle anhand der heiligen Schriften lehren sollen.

Bei diesen Heiligen dachte ich wieder an Psalm 19. Durch die Weisung des Herrn waren sie bekehrt worden. Das Gesetz des Herrn hat diese bescheidenen, intelligenten Menschen weise gemacht. In ihren Augen strahlte Licht, in ihrem Herzen herrschte Freude, weil sie die Weisung, das Gesetz, die Befehle und die Gebote des Herrn hatten. An einem Ort, den ich besuchte, waren sie sogar vier Stunden zu Fuß unterwegs, um zur Versammlung zu gelangen. Sie hatten kein Fahrzeug, manchmal nicht einmal Schuhe und wenig zu essen. Ihre Landwirtschaft bringt nach jahrelanger Trockenheit gerade das Existenzminimum ein. Dennoch weiden sie sich an den Worten Gottes. Sie sind ihnen „kostbarer als Gold ... [und] süßer als Honig“.

In einem anderen Land in Afrika begegnete ich noch mehr Menschen, die nach dem Wort des Herrn hungerten. Gerade als wir ankamen, wurde der öffentliche Nahverkehr von staatlicher Seite drastisch eingeschränkt, weil es keinen Kraftstoff gab. Der Pfahlpräsident war sicher, dass die 700 Mitglieder, die vorhatten, zu unserer Fireside zu kommen, es nicht schaffen würden. Wir versicherten ihm, dass wir auf jeden Fall sprechen würden, ganz gleich, wie viele oder wenige kommen würden. Als wir dann 20 Minuten vor Versammlungsbeginn den Raum betraten und mehr als 300 Heilige sahen, die still den Liedern lauschten, die mit einem Kassettenrekorder abgespielt wurden, war ich vom Geist überwältigt. Im Laufe der Versammlung trafen, wie durch ein Wunder, weitere 300 Menschen ein. Sie hungerten nach dem Wort des Herrn. Sie hatten alle die heiligen Schriften dabei und lasen eifrig mit, als wir sie anhand der Schriften unterwiesen. Durch ihr Beispiel wurde mir klar, wo ich mich noch verbessern muss. Vielleicht haben viele von uns das Herz zu sehr auf irdische Schätze gesetzt. Ich frage mich, ob wir nachlässig und selbstzufrieden geworden sind, was das Schriftstudium und das Befolgen der Lehre betrifft.

Der Prophet Amos im Alten Testament spricht von einem Hunger nach dem Wort oder, anders ausgedrückt, von einem geistigen Hunger. „Seht, es kommen Tage – Spruch Gottes, des Herrn –, da schicke ich den Hunger ins Land, nicht den Hunger nach Brot, nicht Durst nach Wasser, sondern nach einem Wort des Herrn.“ (Amos 8:11.) In Afrika bin ich Heiligen begegnet, die nicht nur nach Brot und Wasser lechzten, sondern nach dem Wort des Herrn. Da sie ja geistigen Hunger erlebt haben, haben sie gelernt, was Nephi gelehrt hat, nämlich: „Weidet euch an den Worten von Christus; denn siehe, die Worte von Christus werden euch alles sagen, was ihr tun sollt.“ (2 Nephi 32:3.)

Stellen Sie sich vor, was für einen geistigen Hunger wir verspüren würden, wenn wir uns nicht an den heiligen Schriften weiden könnten. Jahrhundertelang mussten viele Menschen ohne das Gesetz auskommen. Denken Sie beispielsweise an Lehis Familie, als sie gerade Jerusalem verlassen hatte, oder an die Mulekiten, die „keine Aufzeichnungen mitgebracht“ hatten (Omni 1:17), oder an die Zeiten im Alten Testament, als die Menschen kein Gesetzbuch hatten oder es vergessen hatten, wie damals, als Esra und Nehemia die Juden, die aus der babylonischen Gefangenschaft zurückkehrten, wieder aus dem Buch des Gesetzes unterweisen mussten (siehe Nehemia 8:1-13).

Lernen Sie schon in Ihrer Jugend, die heiligen Schriften zu lieben

Meine Lieblingsgeschichte im Alten Testament ist die vom jungen König Joschija, der im Alter von acht Jahren den Thron bestieg. Sie veranschaulicht, was ein junger Mensch erreichen kann, dem die Schriften kostbarer als Gold und süßer als Honig sind. Alle Könige vor Joschija und nach ihm waren schlecht. Entweder hatten sie das Gesetz nicht oder sie wollten es nicht lesen und beachten. Aber während der Herrschaft Joschijas fand der Hohe Priester Hilkija im Haus des Herrn das verlorene Gesetzbuch (siehe 2 Könige 22:8). Es wurde Joschija vorgelesen. Joschija wurde das Herz erweicht, er kehrte um und weinte vor dem Herrn (siehe 2 Könige 22:19). Dann ließ er sein ganzes Volk beim Tempel zusammenkommen und las ihm die Worte vor; gemeinsam schlossen sie den Bund, Gottes Gebote zu halten.

„Er ließ ihnen alle Worte des Bundesbuches vorlesen, das im Haus des Herrn gefunden worden war.

Dann trat der König an die Säule und schloss vor dem Herrn diesen Bund: Er wolle dem Herrn folgen, auf seine Gebote, Satzungen und Gesetze von ganzem Herzen und ganzer Seele achten und die Vorschriften des Bundes einhalten, die in diesem Buch niedergeschrieben sind. Das ganze Volk trat dem Bund bei.“ (2 Könige 23:2,3.)

Was für eine inspirierende Geschichte. Ich überlege mir oft, warum Joschija ein so tapferer Geist war und für die Lehren im Gesetzbuch empfänglich war. Warum reagierte er anders als die Könige vor und nach ihm? Können Sie etwas daraus auf sich in Ihren jungen Jahren beziehen? Was es bedeutet, die Schriften zu würdigen, indem man sie liest, sie beachtet, den Bund schließt, die darin enthaltenen Gebote zu halten, und dann diesem Bund treu bleibt?

Vielleicht sprachen die Schriften das Unsterbliche in Joschijas Seele an, vielleicht weckten sie seine Erinnerung an etwas, was er im Vorherdasein gelernt hatte. Elder Neal A. Maxwell hat 1991 bei einem CES-Symposium an der BYU gesagt: „Vielleicht ist die besondere, aufrüttelnde Kraft der heiligen Schriften eng mit unseren immer wieder aufblitzenden Erinnerungen an die vorirdische Welt verknüpft oder spricht zumindest unsere Veranlagung an, die dort so lange genährt wurde.“ („Teaching by the Spirit – ‚The Language of Inspiration‘“, Old Testament Symposium Speeches, 1991, Seite 1.)

Vielleicht lesen wir in den heiligen Schriften deshalb so oft die Aufforderung „denkt daran, denkt daran“ (Mosia 2:41, Alma 37:13 und Helaman 5:9,12; 14:30). Wir erinnern uns nicht nur an Wunder und Segnungen in diesem Leben, sondern auch an Belehrungen aus dem vorirdischen Leben. Elder Maxwell war der Ansicht, dass wir durch Studium und Nachsinnen viel lernen und somit einen flüchtigen Eindruck von dem erhaschen können, was wir früher vom himmlischen Vater gelernt haben.

Als er einmal einen Missionspräsidenten und dessen Familie in Russland besuchte, unterhielt sich Elder Maxwell am Morgen mit den fünf Töchtern der Familie. Seine erste Frage war, über welche Schriftstelle sie an dem Tag nachgedacht hatten. Diese Frage traf die Mädchen unvorbereitet. Aber denken Sie einmal darüber nach. Elder Maxwell ging einfach davon aus, dass ihnen die heiligen Schriften genauso wertvoll waren wie ihm, nämlich kostbar wie Gold und süßer als Honig. Wenn wir seine Empfehlung befolgten und immer über eine Schriftstelle nachdächten, fände das Schriftstudium auf dem Weg von einer Vorlesung zur anderen, zu einem Termin oder beim Hausputz statt. Es würde schon früh im Leben anfangen und wäre stetig und beständig. Wir würden uns ständig weiden und innere Leere und geistigen Hunger abwenden. Gottes Worte würden „nicht auf Tafeln aus Stein, sondern – wie auf Tafeln – in [unsere] Herzen von Fleisch“ geschrieben sein (2 Korinther 3:3).

Sogar Elder Maxwells kleine Enkelkinder wussten, wie viel Wert er auf die heiligen Schriften legte. Die meisten erinnern sich bestimmt noch: In seiner letzten Generalkonferenzansprache erzählte er, wie er einmal spätabends seine Enkelkinder besuchte. Sein Enkel Robbie war schon im Bett. Als Elder Maxwell eintraf, rief Robbies Mutter: „Robbie, Opa Neal ist da!“ Er hörte ein müdes Stimmchen aus dem Kinderzimmer: „Soll ich meine Schriften mitbringen?“ (Frühjahrs-Generalkonferenz 2004; Liahona, Mai 2004, Seite 46.) Wie der junge König Joschija und der kleine Enkel Robbie müssen auch wir schon früh im Leben lernen, die Schriften zu lieben, uns an ihnen zu weiden und aus ihnen zu lernen.

Auch unsere kleinen Enkelkinder lernen jetzt, die heiligen Schriften zu lieben, und es freut uns sehr, wie sie darauf ansprechen. So platzt der dreijährige Joshua, der in jeder Geschichte die Helden liebt, auf dem Höhepunkt jeder Geschichte in der heiligen Schrift heraus: „Und wer rettet am Ende alles? Natürlich Jesus!“ Joshua lernt etwas Wichtiges: Jesus ist wirklich der Erretter. Sogar sein Name bedeutet „erretten“. Jetzt betet Joshua immer für die Figuren aus der heiligen Schrift, die er an dem Tag kennen gelernt hat. Einmal hat er gebetet, dass Petrus nicht mehr untergeht, dann, dass die Schweine nicht ertrinken, wenn sie sich ins Meer stürzen. Ein andermal hat er gebetet, dass Laman und Lemuel zu Nephi nett sind. Er hat sogar schon für den Papa von Jesus, also den himmlischen Vater, gebetet. Vor kurzem erhielt Joshua von seiner Kindergartenleiterin in der PV sein eigenes richtiges Buch Mormon. Nun möchte er nicht mehr, dass seine Mama aus den Geschichten aus dem Buch Mormon vorliest. Er hat ihr gesagt, ihm seien die richtigen Worte am liebsten.

Ein weiterer Enkelsohn, Tanner, ist sechs und hat in diesem Sommer schwimmen gelernt. Anfangs hatte er ziemliche Angst vor dem Wasser. An dem Tag, als er und seine Schwimmgruppe schließlich ganz allein ins Schwimmerbecken springen sollten, hatte die Familie nicht wie sonst beim Frühstück in den heiligen Schriften gelesen. Tanner war zwar unruhig, sprang aber dennoch ins tiefe Wasser. Als er wieder herauskam, ließ er seinen Unmut an seiner Mutter aus: „Wenn wir heute Morgen nicht vergessen hätten, in den Schriften zu lesen, hätte ich mich beim Springen nicht so gefürchtet!“ Unsere Tochter hörte den Tadel zwar wohl heraus, freute sich aber, dass dem kleinen Sohn der Geist und die Kraft, die die heiligen Schriften einem schenken, so wichtig sind. Das Schriftstudium kann uns die Kraft geben, ins tiefe Wasser zu springen, in dem wir manchmal schwimmen müssen (siehe LuB 127:2).

Die Lehre kann unser Leben verändern

Der Apostel Paulus lobt Timotheus dafür, dass er schon früh im Leben die heiligen Schriften kennt und liebt, und beschreibt dabei auch, wie segensreich sie sich für uns auswirken.

„Du kennst von Kindheit an die heiligen Schriften, die dir Weisheit verleihen können, damit du durch den Glauben an Jesus Christus gerettet wirst.

Jede von Gott eingegebene Schrift ist auch nützlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit; so wird der Mensch Gottes zu jedem guten Werk bereit und gerüstet sein.“ (2 Timotheus 3:15-17.)

Wie wunderbar segensreich das Schriftstudium sich doch auswirkt! Die heiligen Schriften können uns die Weisheit verleihen, die uns errettet. Sie können unseren Glauben an Jesus Christus und seinen Plan mehren. Sie können uns unsere Schwächen vor Augen führen und dass wir umkehren müssen. Sie können uns Lehre vermitteln.

Präsident Boyd K. Packer hat oft gesagt: „Wenn wahre Lehre verstanden wird, ändert sich die Einstellung und das Verhalten. Wenn man sich mit den Lehren des Evangeliums befasst, führt das schneller zu einer Besserung des Verhaltens, als wenn man sich mit Verhaltensmustern befasst.“ (Liahona, Mai 2004, Seite 79.) Durch die Schriften können wir die Lehre direkt an der Quelle lernen, und das hilft uns, vollkommen oder bereit zu werden, wie Paulus sagt. Es ist nie zu spät, sich ernsthaft an der Lehre zu weiden, die in den heiligen Schriften zu finden ist. Ja, es wäre großartig, wenn wir noch heute Abend damit anfingen.

Jetzt ist die Zeit, da Sie in so ziemlich allen Bereichen wesentliche und wichtige Entscheidungen treffen – Ausbildung, Berufswahl, Mission, Freunde, Ausgehen, Heirat, Kinder, Finanzen, Lebensumstände, treuer Dienst in der Kirche usw. Ich habe lange und angestrengt überlegt und gebetet, um herauszufinden, was ich sagen kann, was jedem von Ihnen während dieser wichtigen Jahre voller Entscheidungen helfen kann. Wir brauchen individuelle Führung. Sie brauchen persönliche Offenbarung, die Ihnen in Ihren Lebensumständen hilft. Alma lehrte, „das Predigen des Wortes ... [habe] eine mächtigere Wirkung auf den Sinn des Volkes gehabt als das Schwert oder sonst etwas ... – darum dachte Alma, es sei ratsam, dass sie die Kraft des Gotteswortes erprobten“ (Alma 31:5). Ich weiß und bezeuge: Wenn wir „die Kraft des Gotteswortes“ erproben, erlangen wir Trost, Führung und Offenbarung.

Wie kann das Schriftstudium diese mächtige Wirkung auf uns haben? Die heiligen Schriften laden den Geist ein. Der Geist ist es, der uns beisteht und uns führt. Der Geist ist es, der uns belehrt und den Sinn und den Willen des Herrn offenbart. Präsident Spencer W. Kimball hat gesagt:

„Ich habe Folgendes festgestellt: Wenn ich in meiner Beziehung zu Gott nachlässig werde und es mir so vorkommt, als ob Gott mir nicht mehr zuhört und nicht mehr zu mir spricht, dann bin ich weit, weit entfernt. Wenn ich mich dann in die heiligen Schriften versenke, verringert sich die Entfernung, und die geistige Gesinnung kommt zurück.“ (Teachings of Spencer W. Kimball, Hg. Edward L. Kimball, 1982, Seite 135; siehe auch Liahona, April 2000, Seite 25.)

In der heiligen Schrift finden wir Beistand

In einem Film über C. S. Lewis hat die Hauptfigur etwas Tiefsinniges über das Gebet gesagt, was sich meiner Meinung nach genauso gut auf das Lesen der heiligen Schriften beziehen lässt, nämlich: „Ich bete, weil ich mir nicht selbst helfen kann; ich bete, weil ich hilflos bin, ich muss einfach beten, ob ich wach bin oder schlafe. Es verändert nicht Gott, aber mich.“ (William Nicholson, Shadowlands, Bühnenstück und Drehbuch, 1994.) Dasselbe gilt für mich auch für die heiligen Schriften. Ich nehme sie zur Hand, weil ich einfach muss. Ich weiß aus tiefstem Herzen, dass ich Gottes Wort brauche, um meine Seele zu nähren und all das zu lernen, was ich wissen muss. Die heiligen Schriften verändern mich.

Viele von Ihnen kennen und mögen die inspirierende Geschichte von Betsie und Corrie ten Boom, zwei Schwestern aus den Niederlanden, die Kriegsgefangene der Nazis waren und in der Stunde großer Not im berüchtigten KZ Ravensbrück zur Bibel griffen. Corrie erzählt:

„Von morgens bis abends, wenn das Licht ausging, immer wenn wir nicht zum Appell antreten mussten, [war] unsere Bibel der Mittelpunkt eines immer größer werdenden Kreises der Hilfe und Hoffnung. Wie Landstreicher, die sich um ein loderndes Feuer scharen, scharten wir uns um sie, ließen ihre Wärme und ihr Licht in unser Herz dringen. Je dunkler die Nacht um uns herum wurde, desto heller, wahrer und schöner brannte das Wort Gottes. ‚Wer kann uns trennen von der Liebe Christi? Weder Drangsal noch Kummer noch Verfolgung noch Nacktheit noch Gefahr noch das Schwert. ... Nein, in all diesem sind wir mehr als Überwinder durch ihn, der uns geliebt hat.‘

Ich blickte um mich, während Betsie las, sah, wie ein Gesicht nach dem anderen sich erhellte.“ (Die Zuflucht, 1971, Seite 194.)

Durch das Wort Gottes erhielten diese Frauen Nahrung und Beistand. Es brachte Wärme und Licht. Es war kostbarer als Gold und süßer als Honig.

Die heiligen Schriften machen uns für Offenbarung empfänglich

Manchmal geben uns die Worte aus den heiligen Schriften machtvoll Antwort auf unsere Gebete. Durch das Lesen der heiligen Schriften öffnen sich Verstand und Herz für Gedanken, die der Geist eingibt. Wir werden dafür viel empfänglicher, wenn wir uns den heiligen Schriften zuwenden, darin forschen und Antworten suchen.

Immer, wenn Joseph Smith in den heiligen Schriften las und inspirierte Fragen stellte, erhielt er Offenbarung. Wir alle wissen, dass die herrliche erste Vision die Folge davon war, dass dieser 14-jährige Junge die Schrift studiert und eine wichtige Frage gestellt hatte. Er musste in Erfahrung bringen, welche Kirche die richtige sei, und er vertraute der Verheißung in Jakobus, dass der Herr dem, der aufrichtig fragt, auch antwortet. Wussten Sie, dass auch Abschnitt 76 offenbart wurde, als Joseph Smith über das nachsann, was im Evangelium des Johannes über die Errettung der Menschen steht? Danach erschloss sich ihm die Vision von den Graden der Herrlichkeit. Ja, ein Wissenschaftler, der der Kirche angehört, hat Folgendes berechnet:

„Mehr als 50 Prozent der Offenbarungen im Buch Lehre und Bündnisse empfing Joseph Smith in der Zeit, als er mit der inspirierten Überarbeitung der Bibel beschäftigt war. … Die Übersetzungsarbeit Joseph Smiths vermittelt uns, wie Offenbarung empfangen wird. Je mehr sich der Prophet in die heiligen Schriften vertiefte, desto mehr Probleme, Überlegungen und Fragen traten auf und führten in vielen Fällen zu mehr Licht und Erkenntnis für die Heiligen der Letzten Tage in Form von zeitgenössischen Offenbarungen.“ (Robert L. Millet, „Joseph Smith’s Translation of the Bible and the Doctrine and Covenants“, in Robert L. Millet und Kent P. Jackson, Hg., Studies in Scripture: Volume One, the Doctrine and Covenants, 1984, 1:139).

Bei anderen Propheten war es nicht anders. Abschnitt 138 im Buch Lehre und Bündnisse wurde Präsident Joseph F. Smith offenbart, als er über das nachsann, was Petrus über die Geisterwelt geschrieben hatte.

Jeder von uns hat ein Anrecht auf persönliche Offenbarung. Die heiligen Schriften können dafür unsere reichhaltigste Quelle sein. Eine Dozentin an der BYU hat die folgende Geschichte von einer Frau erzählt, die sich beim Schriftstudium vom Geist leiten ließ. Sie berichtete:

„Eine Frau ließ sich leiten und lernte, beim Lesen der heiligen Schriften auf die Stimme des Geistes zu achten. Sie wurde angewiesen, niederzuknien und zu beten und dem himmlischen Vater für die heiligen Schriften zu danken und darum zu bitten, dass der Geist beim Lesen bei ihr sei, und dann dem Herrn zu sagen, was sie für den Tag von den Schriften brauchte – eine Frage, auf die sie die Antwort brauchte, Ratschläge für eine Beziehung oder vielleicht die Bestätigung einer Entscheidung. Dann öffnete sie immer die Schriften … und begann zu lesen. Sie brauchte nie lange zu lesen, … und schon gab ihr der Geist die Antwort, die sie suchte. Infolge dieser täglichen Fragestunde mit den heiligen Schriften und dem Geist wurde sie empfänglicher für die Eingebungen des Geistes – und sie begann die heiligen Schriften zu lieben.

Ich habe von ihrer Erfahrung anderen erzählt, die das dann ausprobierten; das Ergebnis war erstaunlich. Alles, von finanziellen Schwierigkeiten bis hin zu Beziehungsproblemen, wurde damit gelöst. Und dabei hat ihre Fähigkeit, die Stimme des Heiligen Geistes zu hören, auch noch zugenommen.“ (Wendy L. Watson, „Let Your Spirit Take the Lead“, in The Power of His Redemption: Talks from the 2003 BYU Women’s Conference, 2004, Seite 326.)

Auch ich habe gelernt, die heiligen Schriften zu lieben und mich auf sie zu verlassen. Sie sind mir kostbarer als Gold. Die Antworten kommen nicht immer schnell und einfach, aber sie kommen. Manchmal stellen sie sich sogar in Form von Frieden oder Zuspruch ein, während ich noch darauf warte, dass mir der Wille des Herrn oder sein Zeitplan verständlich wird. Als ich eine junge Mutter war, ermunterte Präsident Spencer W. Kimball die Frauen der Kirche, Schriftgelehrte zu werden („The Role of Righteous Women“, Ensign, November 1979, Seite 102). Wenn die Zeit es zuließe, würde ich Ihnen erzählen, wie oft es mir als Mutter geholfen hat, dass ich diese Aufforderung befolgt habe. Wenn Sie einen Blick in meine heiligen Schriften werfen würden, könnten Sie den Namen meiner Kinder neben vielen Schriftstellen sehen. Durch Offenbarung wusste ich, dass ich darüber mit ihnen sprechen musste.

Die Worte des Herrn sind mir auch im Dienst in der Kirche ein Segen gewesen. Gleich nachdem ich als Präsidentin der Jungen Damen berufen worden war, forschte ich in den heiligen Schriften. Ich fühlte mich unzulänglich und überwältigt von einer Aufgabe, die meine begrenzten Fähigkeiten bei weitem übertraf. Also suchte ich Trost und Führung. Die Geschichten in den heiligen Schriften von Propheten und Führern, die sich in ihrer Berufung unzulänglich fühlten, schenkten mir Frieden und machten mir klar, dass der Herr groß macht, wen er beruft.

Einer dieser Propheten, Henoch, hat gesagt: „Wieso habe ich Gunst in deinen Augen gefunden und bin doch nur ein Knabe und alles Volk hasst mich, denn meine Sprache ist unbeholfen; warum also bin ich dein Knecht?

Und der Herr sprach zu Henoch: Gehe hin und tue, wie ich dir geboten habe. ... Tue deinen Mund auf, und er wird erfüllt werden, und ich werde dir zu reden eingeben.“ (Mose 6:31,32.) Auch Mose fühlte sich unzulänglich, und der Herr verhieß ihm: „Ich bin mit deinem Mund und weise dich an, was du reden sollst.“ (Exodus 4:12.) Jeremia erhielt diesen Segen: „Fürchte dich nicht ... ; denn ich bin mit dir, um dich zu retten ... [und ich] lege ... meine Worte in deinen Mund.“ (Jeremia 1:8,9.)

Beim Studium fand ich vor allem in den Verheißungen an den Erretter Trost. Ich hatte den Eindruck, dass der himmlische Vater wollte, dass ich diese Segnungen mit mir in meinen Nöten vergleiche. „Gott, der Herr, gab mir die Zunge eines Jüngers, damit ich verstehe, die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort.“ (Jesaja 50:4.) Diese Schriftstelle führte mich zu einer weiteren, die mein Motto geworden ist: „Denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben, sodass alle eure Gegner nicht dagegen ankommen und nichts dagegen sagen können.“ (Lukas 21:15.) In den vergangenen drei Jahren habe ich jeden Tag um die Worte und um Weisheit gebetet. Mein größter Wunsch war es (gerade da, wo ich mich am unzulänglichsten fühlte), zu wissen, was ich nach dem Willen des Herrn lehren sollte – Weisheit zu haben –, und dabei die rechten Worte zu finden, diese Botschaft zu artikulieren. Durch die heiligen Schriften habe ich die persönliche Offenbarung gefunden, die mich in dieser Berufung geführt und mir Beistand gegeben hat. Die Worte des Herrn sind mir „kostbarer als Gold ... [und] süßer als Honig“ (Psalm 19:11).

Durch die heiligen Schriften erlangen wir ein Zeugnis

Zu den größten Segnungen, die wir als Mitglieder erhalten, gehören die neuzeitlichen heiligen Schriften, die uns zusätzlich Zeugnis davon geben, dass Jesus der Messias ist, und die Fülle der Lehren seines Evangeliums wiederherstellen. Jeder der Propheten in den Letzten Tagen hat uns ermuntert, das Buch Mormon zu lesen und nach seinen Weisungen zu leben, mit der Verheißung, dass wir dann große Segnungen bekommen.

Inzwischen wissen wir wohl alle, dass Präsident Gordon B. Hinckley im August alle Mitglieder aufgefordert hat, bis zum Ende dieses Jubiläumsjahres das Buch Mormon zu lesen oder erneut zu lesen. Warum hat uns der Prophet wohl dazu aufgefordert? Warum? Wir sollten uns alle die Frage stellen: Was muss ich lernen? Was muss ich besser machen? Wo brauche ich Hilfe? Dann finden wir persönliche Gründe, warum wir das Buch Mormon lesen sollen. Dann hat Präsident Hinckley uns verheißen: „Der Geist des Herrn [wird] stärker in Ihrem Leben und in Ihrer Familie zu spüren sein. Sie werden sich noch fester entschließen, Gottes Gebote zu befolgen, und Sie werden ein festeres Zeugnis empfangen, dass der Sohn Gottes wirklich lebt.“ („Ein lebendiges und wahres Zeugnis“, Liahona, August 2005, Seite 6.)

Mit dem Buch Mormon geht der Geist des Herrn einher. Meine Freunde Kathleen Andersen und Wilford Andersen, der Missionspräsident in Guadalajara in Mexiko war, sahen buchstäblich, wie der Geist des Buches Mormon wirkte. Schwester Andersen hatte im letzten Jahr ihrer Mission das Gefühl, sie solle ihre drei Söhne zu Hause unterrichten und sie nicht in eine öffentliche Schule schicken. Für den Spanischunterricht brauchte sie jedoch Hilfe. Sie betete darum, einen geeigneten Lehrer zu finden. Sie wurde zu Irma Encinas geführt, die 20 Jahre lang unterrichtet hatte und erst kurz zuvor in die Stadt gezogen war. Irma Encinas kam zweimal pro Woche und unterrichtete die Jungen.

Drei Wochen nach Beginn des Unterrichts fiel Schwester Andersen ein, dass sie jemand eingestellt hatte, der vielleicht gern etwas über die Kirche erfahren würde. Also erzählte sie ihr von Joseph Smith und vom Buch Mormon. Dann beschloss Schwester Andersen, das Buch Mormon als Unterrichtsmaterial für ihre Jungen zu nutzen. In jedem Unterricht lasen die Jungen aus den spanischen heiligen Schriften vor. Die Lehrerin sollte ihnen Fragen dazu stellen, und die Jungen mussten ihr auf Spanisch antworten. Während die Jungen Spanisch lernten, lernte Irma Encinas das Buch Mormon kennen.

Nach Weihnachten sprach Irma Encinas Schwester Andersen an und begann zu weinen. Sie musste ihr berichten, was geschehen war. Sie sagte, jedes Mal, wenn die Jungen aus dem Buch Mormon vorlasen, sah sie ein Leuchten um ihr Gesicht. Sobald sie dann das Buch schlossen, verging das Leuchten augenblicklich. Sie gestand ein, dass ihre Schwester, die bei ihr wohnte, elf Jahre zuvor ein Exemplar des Buches Mormon erhalten hatte, es aber nie gelesen hatte. Aufgrund dieses außergewöhnlichen Erlebnisses suchten sie in ihren Bücherregalen nach diesem verstaubten Buch. Sie wollten für sich herausfinden, worum es sich bei dem Leuchten handelte, das von diesem Buch ausging. Ich bin sicher, Sie können sich den Rest zusammenreimen. Sie begannen, das Buch Mormon zu lesen, und hatten den Wunsch, von den Missionaren unterwiesen zu werden. Zwei Wochen nach der ersten Missionarslektion ließen sie sich taufen.

Mein Zeugnis

Präsident Hinckley hat jedem von uns dasselbe Leuchten verheißen, wenn wir das Buch Mormon lesen. In den vergangenen paar Wochen habe ich das Buch Mormon wieder gelesen. Es hat mir im Herzen wieder das Zeugnis entfacht, dass Jesus Christus der Erlöser der Welt ist. Nahezu jeder Vers gibt Zeugnis von ihm. Präsident Boyd K. Packer hat gesagt: „Von den über 6000 Versen im Buch Mormon beziehen sich mehr als die Hälfte direkt auf ihn.“ (Liahona, Mai 2005, Seite 8.)

Die Menschen im Buch Mormon hielten nach ihm Ausschau, weil sie auf die Erlösung durch ihn hofften, und sie blickten zurück auf sein vorbildliches Leben und seinen Tod, der die Erlösung brachte, weil sie auf sein Sühnopfer hofften. Lange vor Christi Geburt schrieb Jakob: „Glaubst du an die Schriften? ... Denn sie zeugen wahrhaftig von Christus. Siehe, ich sage dir, dass keiner der Propheten geschrieben noch prophezeit hat, ohne über diesen Christus zu sprechen.“ (Jakob 7:10,11.) Und lange nachdem Christus gekommen war, schrieb Mormon: „Und das, was auf diesen Platten ist, gefällt mir wegen der Prophezeiungen über das Kommen Christi; und meine Väter haben gewusst, dass viele davon in Erfüllung gegangen sind.“ (Worte Mormons 1:4.) Was für ein umfassender und wunderbarer Ausblick! Beim Lesen war mir klar, dass die Menschen Schmerz und Leid ertrugen und Sünde und Versuchung überwanden, weil sie an Christus und an sein Sühnopfer glaubten. Ich weiß, dass Jesus der lebendige Christus ist. Mir war zumute, als sollte ich das Lied seiner erlösenden Liebe singen (siehe Alma 5:26).

Beim Lesen wurde mir die Bedeutung der Platten ansatzweise klar – die der Messingplatten, der vierundzwanzig Platten und des Berichts der Nephiten auf den großen und den kleinen Platten. Mir wurde klar, dass sie für Lehi und seine Nachkommen kostbarer waren als Gold. Alma nimmt uns mit zu sich ins Haus, wie ich es heute Abend gern getan hätte, und lässt uns zuhören, wie er seinen Sohn Helaman belehrt. Er erzählt ihm, warum all diese Berichte so wichtig sind. Er überträgt ihm die große Aufgabe, die Platten nicht nur zu hüten und weiterzuführen, sondern auch die darin enthaltenen Wahrheiten zu lehren. Er sagt: „Denn ebenso gewiss, wie dieser Richtungsweiser [der Liahona] unsere Väter, wenn sie seinem Weg folgten, ins verheißene Land führte, werden die Worte von Christus, wenn wir ihrem Weg folgen, uns über dieses Tal der Trauer hinaus in ein weit besseres Land der Verheißung führen.“ (Alma 37:45.)

Ich habe empfangen, was Präsident Hinckley verheißen hat – ein größeres Maß des Geistes, den Wunsch, umzukehren und treu und gehorsam zu sein, sowie das Zeugnis, dass der Sohn Gottes wirklich lebt. Ich bete, dass Sie in Ihrer Jugend die Zeit nutzen und sich an den Schriften weiden, dass Sie es sich zur lebenslangen Gewohnheit machen, indem Sie sich der persönlichen Offenbarung durch die Schriften öffnen und die Lehre Jesu Christi lernen.

„Ich liebe den Herrn; an ihm erfreut sich meine Seele“ (John Tanner, „I Love the Lord“, Jackman Music Corp., 2000, Seite 2; siehe auch 2 Nephi 4:15,16). Ich weiß, dass der himmlische Vater lebt und dass er uns so sehr liebt, dass er durch seine Schriften zu uns spricht. Mit Nephi bezeuge ich: „Meine Seele erfreut sich an den Schriften.“ (2 Nephi 4:15.) Die heiligen Schriften haben mein Zeugnis gestärkt, mir Wahrheit vermittelt, meine Schritte gelenkt und mir im Kummer Trost geschenkt. Das werden sie auch für Sie tun, da bin ich mir sicher. Durch sie habe ich mich warnen lassen; indem ich sie beachtet habe, habe ich reichen Lohn (siehe Psalm 19:12). „Sie sind kostbarer als Gold, als Feingold in Menge. Sie sind süßer als Honig, als Honig aus Waben.“ (Psalm 19:11.) Im Namen Jesu Christi. Amen.

 
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