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GABEN DES GEISTES FÜR SCHWERE ZEITEN

Elder Henry B. Eyring
vom Kollegium der Zwölf Apostel
CES-Fireside für junge Erwachsene • 10. September 2006 • Brigham-Young-Universität

Elder Henry B. EyringIch bin dankbar für die schöne Musik und den Geist, den sie gebracht hat. Ich bin dankbar, dass ich heute Abend bei Ihnen sein kann. Viele von Ihnen sind hier im Marriott Center an der Brigham-Young-Universität. Tausende andere hören und sehen von Orten in aller Welt aus zu. Ich kann Sie nicht alle sehen, aber Ihr Vater im Himmel kann es. Er kennt Sie beim Namen und weiß, was Sie brauchen. Er kennt Ihr Herz. Ein jeder von Ihnen steht vor individuellen Herausforderungen. Ich bete um die Inspiration, Ihnen sagen zu können, was Gott Sie hören lassen will.

Segnungen und Herausforderungen in den Letzten Tagen

Trotz aller Einzigartigkeit haben wir doch alle einiges gemeinsam. Wir alle müssen unsere Bewährungsprobe auf Erden bestehen. Und wo wir auch leben mögen – die Prüfung wird immer schwerer. Wir leben in der letzten Evangeliumszeit. Gottes Propheten haben diese Zeit seit Jahrtausenden vorhergesehen. Sie sahen voraus, dass Wunderbares geschehen sollte. Das Evangelium Jesu Christi sollte wiederhergestellt werden. Die wahre Kirche sollte wiedergebracht werden, mit Propheten und Aposteln. Das Evangelium sollte jeder Nation, jedem Geschlecht, jeder Sprache und jedem Volk verkündet werden. Das Wunderbarste aber war: Die wahre Kirche und ihre Mitglieder sollten dessen würdig werden, dass der Erretter zu seiner Kirche und seinen rein gemachten Jüngern kommt.

Die wahren Propheten sahen aber auch voraus, dass in den Letzten Tagen der Satan wüten würde. Es würde Kriege und Kriegsgerüchte geben. Sie würden Angst auslösen. Viele würde der Mut verlassen. Es würde große Schlechtigkeit geben. Und der Satan würde viele täuschen.

Doch zum Glück würden sich viele auch nicht bezwingen lassen. Viele würden sich nicht täuschen lassen. Die Tatsache, dass Sie hier heute Abend zuhören, belegt, dass Sie unter denen sein wollen, die sich nicht bezwingen und nicht täuschen lassen. Ich möchte Ihnen heute nahebringen, wie Sie dieses frohe und herrliche Ziel erreichen können.

Der Heilige Geist ist der Schlüssel

Für einen jeden von uns wird der Schlüssel darin liegen, dass wir die Gabe, die Gott uns versprochen hat, annehmen und behalten. Sie als Mitglieder der wahren Kirche Jesu Christi werden sich noch erinnern, dass Ihnen nach Ihrer Taufe bevollmächtigte Diener Gottes versprochen haben, dass Sie den Heiligen Geist empfangen können. Der eine oder andere von Ihnen hat vielleicht etwas verspürt, als diese heilige Handlung vollzogen wurde. Die meisten von Ihnen haben verspürt, wie sich die Erfüllung dieser Verheißung in ihrem Leben auswirkt. Ich will Ihnen heute Abend sagen, wie Sie diese Gabe erkennen können, wie Sie sie jeden Tag Ihres Lebens empfangen können und wie sie Ihnen in Zukunft noch nützen wird.

Sie haben in Herz und Sinn im Stillen ein Stück Wahrheit bestätigt bekommen. Sie wussten auch, dass es eine Inspiration von Gott war. Bei manchen von Ihnen kam sie vielleicht, als die Missionare Sie vor Ihrer Taufe unterwiesen. Sie kam vielleicht während einer Ansprache oder dem Unterricht in der Kirche. Sie kam vielleicht auch heute Abend schon, wenn etwas Wahres gesagt oder gesungen wurde. Ich habe dies verspürt, als gesungen wurde, genau wie einige von Ihnen. Der Heilige Geist ist der Geist der Wahrheit. Sie empfinden Friede, Hoffnung und Freude, wenn er Ihnen in Herz und Sinn sagt, dass etwas wahr ist. Ich selbst habe dabei fast immer so etwas wie Licht empfunden. Wenn ich irgendwo Finsternis sah, so verflüchtigte sie sich, und es wuchs der Wunsch, das Rechte zu tun.

Der Herr hat versprochen, dass auch Sie solche Erlebnisse haben können. Dies sind seine Worte, sie sind verzeichnet im Buch Lehre und Bündnisse:

„Und nun, wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Setze dein Vertrauen in jenen Geist, der dazu führt, Gutes zu tun – ja, gerecht zu handeln, demütig zu wandeln, rechtschaffen zu richten; und dies ist mein Geist.

Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Ich werde dir von meinem Geist geben, der dir den Verstand erleuchten wird und der dir die Seele mit Freude erfüllen wird.“ (LuB 11:12,13.)

Der Herr hat auch verheißen, dass jeder, der die Gabe des Heiligen Geistes für sich annimmt, nicht getäuscht werden wird. In beruhigenden Worten wendet er sich an Sie und an mich, die wir in der Zeit leben, da die Kirche auf die Zeit seiner Wiederkehr vorbereitet wird. Hier die Verheißung aus dem Buch Lehre und Bündnisse:

„Und an jenem Tag, da ich in meiner Herrlichkeit kommen werde, wird das Gleichnis, das ich von den zehn Jungfrauen erzählt habe, in Erfüllung gehen.

Denn diejenigen, die weise sind und die Wahrheit empfangen haben und sich den Heiligen Geist als ihren Führer genommen haben und sich nicht haben täuschen lassen – wahrlich, ich sage euch: Sie werden nicht umgehauen und ins Feuer geworfen werden, sondern werden den Tag aushalten.

Und die Erde wird ihnen als Erbteil übergeben werden; und sie werden sich mehren und stark werden, und ihre Kinder werden ohne Sünde zur Errettung aufwachsen.

Denn der Herr wird mitten unter ihnen sein, und seine Herrlichkeit wird auf ihnen sein, und er wird ihr König und ihr Gesetzgeber sein.“ (LuB 45:56-59.)

Kundgebungen des Geistes

Als Sie diese Worte gerade gehört haben, haben Sie vielleicht ein weiteres Beispiel für eine Kundgebung des Geistes, der Ihnen ja versprochen wurde, verspürt. Sie malen ein Bild von der Zeit, da wir beim Erretter sein dürfen, der von den zehn Jungfrauen und seiner Wiederkehr sprach, diesmal allerdings in Herrlichkeit. Sie beschreiben einen Tag, da wir bei ihm sein können und seine Herrlichkeit auf uns sein kann. Unter all dem, wovon der Heilige Geist Zeugnis gibt und was Sie gerade verspürt haben mögen, ist uns nichts so kostbar wie die Tatsache, dass Jesus der Messias ist, der lebendige Sohn Gottes. Nichts kann so sehr dazu beitragen, dass wir Licht, Hoffnung und Freude empfinden. Es ist darum auch gar nicht überraschend, dass wir mit dem Einfluss des Heiligen Geistes auch spüren können, wie unser Wesen sich ändert, und zwar dank des Sühnopfers Jesu Christi. Wir spüren ein größeres Verlangen, seine Gebote zu halten, Gutes zu tun und gerecht zu handeln.

Viele von Ihnen haben dank häufiger Erlebnisse mit dem Heiligen Geist diese Wirkung schon verspürt. Beispielsweise mussten einige von Ihnen sich auf Mission auf den Geist verlassen, um die Worte zu finden, die die Menschen brauchten. Mehr als nur einmal, vielleicht jeden Tag, ruhte der Segen auf Ihnen, der auch Nephi und Lehi bei den Menschen in ihrem Missionsgebiet begleitete. Er wird in Helaman beschrieben:

„Und es begab sich: Nephi und Lehi predigten den Lamaniten mit so großer Macht und Vollmacht, denn Macht und Vollmacht waren ihnen gegeben, damit sie sprechen konnten, und auch das, was sie sprechen sollten, wurde ihnen gegeben – darum sprachen sie zur großen Verwunderung der Lamaniten so, dass sie sie überzeugten, und von den Lamaniten, die im Land Zarahemla und ringsum waren, ließen sich achttausend zur Umkehr taufen und kamen zu der Überzeugung, dass die Überlieferungen ihrer Väter schlecht waren.“ (Helaman 5:18,19.)

Auch wenn Ihnen vielleicht nicht eine derart wunderbare Ernte vergönnt war, sind Ihnen vom Heiligen Geist Worte eingegeben worden, wenn Sie Ihr Herz dem Dienst des Herrn geweiht haben. Zu bestimmten Zeitpunkten während Ihrer Mission waren solche Erlebnisse häufig. Wenn Sie sich auf diese Zeiten zurückbesinnen und nachdenken, werden Sie merken, dass der gesteigerte Wunsch, die Gebote zu befolgen, Sie nur allmählich erfasst hat. Sie haben immer weniger den Drang verspürt, der Versuchung nachzugeben, und immer mehr das Verlangen, gehorsam zu sein und anderen zu dienen. Sie haben mehr Liebe für die Menschen empfunden.

Eine der Folgen davon, dass der Heilige Geist sich Ihnen immer wieder kundgetan hat, war eine Änderung Ihres Wesens. Und so haben Sie durch treuen Dienst für den Herrn nicht nur vom Heiligen Geist bezeugt bekommen, dass Jesus der Messias ist, sondern auch in Ihrem eigenen Leben gesehen, dass das Sühnopfer Wirklichkeit ist. Wenn man so dient, dass der Einfluss des Heiligen Geistes spürbar wird, pflanzt man beispielhaft die Samenkörner, von denen Alma sprach:

„Und nun siehe, weil ihr den Versuch angestellt und das Samenkorn gepflanzt habt und es schwillt und sprosst und zu wachsen anfängt, müsst ihr notwendigerweise wissen, dass das Samenkorn gut ist.

Und nun siehe, ist euer Wissen vollkommen? Ja, darin ist euer Wissen vollkommen, und euer Glaube ruht, und zwar, weil ihr Wissen habt; denn ihr wisst, dass das Wort eure Seele hat schwellen lassen, und ihr wisst auch, dass es gesprosst hat, dass euer Verständnis anfängt, erleuchtet zu werden, und euer Sinn anfängt, sich zu erweitern.

O ist dies dann nicht etwas Wirkliches? Ich sage euch: Ja, denn es ist Licht, und alles, was Licht ist, das ist gut, denn man kann es erkennen; darum müsst ihr wissen, dass es gut ist; und nun, siehe, nachdem ihr von diesem Licht gekostet habt, ist euer Wissen vollkommen?

Siehe, ich sage euch: Nein; auch dürft ihr euren Glauben nicht beiseite legen, denn ihr habt euren Glauben nur ausgeübt, um das Samenkorn zu pflanzen, damit ihr den Versuch anstellen könnt, um zu wissen, ob das Samenkorn gut sei.

Und siehe, wenn der Baum zu wachsen anfängt, werdet ihr sagen: Lasst uns ihn mit großer Sorgfalt nähren, damit er Wurzeln bekommt, damit er heranwächst und uns Frucht hervorbringt. Und nun siehe, wenn ihr ihn mit viel Sorgfalt nährt, wird er Wurzeln bekommen und heranwachsen und Frucht hervorbringen.“ (Alma 32:33-37.)

Man braucht täglich Offenbarung

Wenn Sie und ich zu zweit zusammenkämen (was ich mir wünschte) und Sie fragen könnten, was Sie wollten, könnte ich mir vorstellen, dass Sie etwa Folgendes sagten: „Ach, Bruder Eyring, ich habe schon manches verspürt, was Sie beschrieben haben. Der Heilige Geist hat hin und wieder mein Herz und meinen Verstand berührt. Aber ich werde ihn ständig brauchen, wenn ich nicht bezwungen oder getäuscht werden soll. Ist das überhaupt möglich? Ist es möglich, und wenn ja – was muss man für so eine Segnung tun?“

Beginnen wir mit Teil eins Ihrer Frage. Ja, es ist möglich. Jedes Mal, wenn ich mich dessen vergewissern möchte, und auch ich brauche das ab und zu, fallen mir zwei Brüder ein. Nephi und Lehi und die übrigen Diener des Herrn, die ihre Mitstreiter waren, sahen sich heftigen Widerständen ausgesetzt. Sie dienten in einer immer schlechter werdenden Welt. Sie mussten mit schrecklichen Täuschungen fertig werden. Ich selbst schöpfe Gewissheit aus den Worten eines Verses in Helaman – und das können Sie auch. Diese Gewissheit steckt in einem Bericht über die Geschehnisse eines ganzen Jahres, so als sei dies für den Schreiber gar nicht überraschend gewesen. Hören Sie zu:

„Und im neunundsiebzigsten Jahr fing viel Zwist an. Aber es begab sich: Nephi und Lehi und viele ihrer Brüder, die die wahren Punkte der Lehre kannten, weil sie täglich viele Offenbarungen hatten, predigten darum dem Volk, sodass sie dessen Zwist im gleichen Jahr ein Ende setzten.“ (Helaman 11:23.)

Sie hatten „täglich viele Offenbarungen“. Für Sie und für mich ist das die Antwort auf die erste Frage. Ja, man kann vom Heiligen Geist in einem solchen Ausmaß begleitet werden, dass man täglich viele Offenbarungen hat. Einfach ist es nicht. Aber es ist möglich. Die Voraussetzungen werden für jeden anders sein, da wir alle von unserem individuellen Erlebnisstand im Leben aus starten. Für uns alle gelten mindestens drei Voraussetzungen. Keine davon kann man über eine Einzelerfahrung erreichen und behalten. Sie alle müssen ständig erneuert werden.

Glaube an Gott

Erstens braucht man, um den Heiligen Geist zu empfangen, Glauben an den himmlischen Vater und seinen geliebten Sohn, Jesus Christus. Die Erinnerung an ein mächtiges geistiges Erlebnis in der Vergangenheit, mit dem Ihnen diese Wahrheit bestätigt wurde, wird nicht ausreichen. Vielmehr werden Sie sich im Augenblick der Krise, der Tag und Nacht jederzeit eintreten kann, Ihres Glaubens sicher sein müssen, wenn Sie um den Einfluss des Geistes flehen. Ferner müssen Sie ein unerschütterliches Vertrauen darauf haben, dass Gott lebt, dass er Ihren Hilferuf hört und dass der auferstandene Erretter für Sie tun wird, was er seinen Dienern während seines irdischen Wirkens verheißen hat:

„Wenn aber der Beistand kommt, den ich euch vom Vater aus senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, dann wird er Zeugnis für mich ablegen.“ (Johannes 15:26.)

Die Brüder Nephi und Lehi haben täglich viele Offenbarungen empfangen. Aus dem Bericht geht hervor, dass sie um die wahren Punkte der Lehre wussten. In aller wahren Lehre ist nichts für Sie und mich so wichtig wie das wahre Wesen Gottvaters und seines Sohnes, Jesus Christus. Deshalb wende ich mich immer wieder den heiligen Schriften zu. Deshalb wende ich mich immer wieder dem Gebet zu. Deshalb nehme ich immer wieder vom Abendmahl. Und vor allem lerne ich Gott und Jesus Christus am besten kennen, wenn ich die Gebote halte und in der Kirche diene. Wenn wir eifrig in der Kirche dienen, lernen wir nicht nur den Charakter Gottes kennen, sondern wir lernen, ihn zu lieben. Wenn wir seine Gebote befolgen, wächst unser Glaube an ihn, und wir werden würdig, seinen Geist bei uns zu haben.

Ein lebendiger Glaube an Gott entsteht am ehesten, wenn man ihm regelmäßig dient. Nicht jeder von uns ist zu einem Amt in der Kirche berufen. Einige von Ihnen sind vielleicht noch nicht offiziell zu etwas berufen worden, und doch bekommt jedes Mitglied eine Vielzahl an Gelegenheiten, Gott zu dienen. Beispielsweise hat man uns jahrelang gesagt: „Jedes Mitglied ein Missionar!“ Das ist kein Angebot. Es ist eine Folge unserer Mitgliedschaft. Wir haben lediglich die Wahl, anderen vom Evangelium zu erzählen oder nicht. Desgleichen muss sich auch jedes Mitglied um die Armen unter uns und in unserer Umgebung kümmern. Zum Teil tun wir das im Stillen und allein. Zum Teil tun wir es gemeinsam mit anderen Mitgliedern. Aus diesem Grund gibt es das Fastopfer und Dienstprojekte. Wir haben lediglich die Wahl, mit dem Herrn und unseren Mitjüngern zu unseren Lebzeiten so eins zu werden, wie er zu seinen Lebzeiten mit seinen Jüngern verbunden war, oder nicht.

Die meisten von uns sind als Heimlehrer oder Besuchslehrerin berufen oder können dazu berufen werden. Diese Berufungen bergen wunderbare Gelegenheiten in sich, vermehrten Glauben daran zu entwickeln, dass der Herr seinen demütigen Dienern seinen Heiligen Geist schickt. Damit wächst Glaube und erneuert sich auch unser Glaube an ihn. Das habe ich schon erlebt und viele von Ihnen auch. Einmal rief mich eine besorgte Mutter aus einem weit von mir entfernten Bundesstaat an. Sie erzählte mir, ihre ledige Tochter sei in eine andere Stadt gezogen, weit weg von daheim. Aus den wenigen Kontakten, die sie mit ihrer Tochter hatte, schloss sie, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung sei. Die Mutter fürchtete um die moralische Sicherheit ihrer Tochter. Sie flehte mich an, ihrer Tochter zu helfen.

Ich stellte fest, wer der Heimlehrer der Tochter war. Ich rief ihn an. Er war jung. Trotzdem waren sowohl er als auch sein Mitarbeiter nicht nur aus Sorge um das Mädchen mitten in der Nacht aufgewacht, sondern mit der Eingebung, dass sie im Begriff war, Entscheidungen zu treffen, die zu Kummer und Elend führen. Allein aufgrund der Inspiration des Geistes suchten sie sie auf. Anfangs wollte sie ihnen nicht erzählen, wie es um sie stand. Aber sie redeten ihr zu, doch umzukehren und den Pfad einzuschlagen, den der Herr ihr bereitet hatte und den Mutter und Vater ihr stets nahegelegt hatten. Während sie so zuhörte, wurde ihr bewusst, dass die beiden einzig und allein von Gott wissen konnten, was sie von ihr wussten. Das Gebet einer Mutter war zum himmlischen Vater aufgestiegen, und der Heilige Geist war mit einem Auftrag zu zwei Heimlehrern gesandt worden.

Schon mehr als einmal habe ich Priestertumsführer sagen hören, sie seien der Eingebung gefolgt, jemanden in Not zu besuchen, nur um dann festzustellen, dass eine Besuchslehrerin oder ein Heimlehrer schon da gewesen war. Meine Frau, die mich heute Abend begleitet, ist da ein gutes Beispiel. Einer unserer Bischöfe sagte mir einmal: „Wissen Sie, das stört mich schon: Wenn ich die Eingebung erhalte, jemanden zu besuchen, war Ihre Frau schon da.“ Ihr Glaube wird wachsen, wenn Sie dem Herrn dienen, indem Sie sich um die Kinder des himmlischen Vaters kümmern und sie als Lehrer des Herrn zu Hause besuchen. Ihre Gebete werden erhört werden. Sie werden selbst zu der Erkenntnis gelangen, dass Gott lebt, dass er uns liebt und dass er selbst denen Inspiration schenkt, die auch nur einen Funken Glauben an ihn haben und den Wunsch, in seiner Kirche zu dienen. Bleiben Sie der Kirche nahe, wenn Sie wollen, dass Ihr Glaube an Gott wächst. Je mehr er wächst, desto mehr können Sie auch Anspruch auf die Ihnen gemachte Verheißung erheben, dass Sie die Gaben des Geistes empfangen dürfen.

Rein muss man sein

Die erste Voraussetzung war Glaube an den Herrn Jesus Christus und an unseren Vater im Himmel. Die zweite Voraussetzung dafür, dass der Heilige Geist häufig zugegen ist und Weisung erteilt, ist Reinheit. Der Geist muss sich zurückziehen, wenn jemand nicht rein ist. Sie kennen bestimmt die traurige Schilderung aus der Geschichte der Menschen im Buch Mormon:

„Und wegen ihres Übeltuns hatte die Kirche angefangen zu verfallen; und sie fingen an, nicht mehr an den Geist der Prophezeiung und an den Geist der Offenbarung zu glauben; und die Strafgerichte Gottes starrten ihnen ins Gesicht.

Und sie sahen ein, dass sie schwach geworden waren so wie ihre Brüder, die Lamaniten, und dass der Geist des Herrn sie nicht mehr bewahrte; ja, er hatte sich von ihnen zurückgezogen, weil der Geist des Herrn nicht in unheiligen Tempeln wohnt.“ (Helaman 4:23,24.)

Den Heiligen Geist empfängt man, wenn man Glauben an Christus zur Umkehr ausübt. Wir können rein werden, indem wir uns für das qualifizieren, was das Sühnopfer des Erretters bewirkt hat. Die bei der Taufe von bevollmächtigten Dienern Gottes angebotenen Bündnisse führen zu dieser Reinigung. Wir erneuern unser Versprechen, diese Bündnisse zu halten, jedes Mal, wenn wir vom Abendmahl nehmen. Der Friede, nach dem wir alle trachten, ist die Gewissheit, dass uns sowohl die begangenen Sünden als auch die Unterlassungssünden vergeben wurden.

Der Erretter ist es, dem das Recht verliehen wurde, diese Vergebung und diese Gewissheit zu gewähren. Ich habe gelernt: Der Herr gewährt diese Gewissheit zu dem von ihm gewählten Zeitpunkt, und er tut es auf seine eigene Weise. Ich habe auch gelernt, im Gebet darum zu bitten. Eine Methode, wie er diese Gewissheit gewährt, ist über den Heiligen Geist. Wenn Sie Schwierigkeiten haben, den Heiligen Geist zu verspüren, sollten Sie klugerweise einmal darüber nachdenken, ob es etwas gibt, wovon Sie umkehren und wofür Sie Vergebung erlangen müssten.

Wenn Sie den Einfluss des Heiligen Geistes im Laufe des heutigen Tages oder Abends verspürt haben, können Sie das als Beleg dafür ansehen, dass sich das Sühnopfer für Sie auswirkt. Aus diesem und aus vielen anderen Gründen sind Sie gut beraten, sich an Orte oder Aufgaben zu begeben, die den Eingebungen des Heiligen Geistes förderlich sind. Der Einfluss des Heiligen Geistes lässt sich auf zweierlei Weise spüren: Einerseits wohnt der Heilige Geist nur in einem reinen Tempel, andererseits reinigt er uns durch das Sühnopfer Jesu Christi, wenn wir ihn empfangen. Wenn Sie wissen wollen, was Sie tun müssen, um rein zu werden und somit den Heiligen Geist zum Begleiter zu haben und dem Herrn dienen zu dürfen, können Sie voll Glauben darum beten. Haben Sie diesen Begleiter, werden Sie gegen Versuchungen gewappnet, und Sie bekommen die Macht, Täuschung zu entdecken.

Reine Beweggründe

Die dritte Voraussetzung dafür, dass der Heilige Geist Sie begleitet, sind reine Beweggründe. Wenn Sie die Gaben des Geistes empfangen wollen, muss dies aus den richtigen Gründen heraus geschehen. Ihre Absichten müssen sich mit denen des Herrn decken. In dem Ausmaß, wie Sie selbstsüchtige Beweggründe verfolgen, wird es für Sie schwierig, die Gaben des Geistes zu empfangen, die Ihnen verheißen wurden.

Diese Tatsache enthält sowohl eine Warnung als auch einen wertvollen Hinweis. Zunächst die Warnung: Gott ist beleidigt, wenn wir nur nach den Gaben des Geistes trachten, um unsere eigenen Ziele zu erreichen und nicht die seinen. Vielleicht sind uns unsere selbstsüchtigen Beweggründe gar nicht bewusst. Wohl kaum einer von uns wäre aber so verblendet wie der Mann, der das Anrecht auf die Gaben des Geistes kaufen wollte. Sie kennen bestimmt die traurige Geschichte von Simon und wie Petrus ihn zurechtwies:

„Als Simon sah, dass durch die Handauflegung der Apostel der Geist verliehen wurde, brachte er ihnen Geld und sagte: Gebt auch mir diese Macht, damit jeder, dem ich die Hände auflege, den Heiligen Geist empfängt.

Petrus aber sagte zu ihm: Dein Silber fahre mit dir ins Verderben, wenn du meinst, die Gabe Gottes lasse sich für Geld kaufen.

Du hast weder einen Anteil daran noch ein Recht darauf, denn dein Herz ist nicht aufrichtig vor Gott.

Wende dich von deiner Bosheit ab und bitte den Herrn; vielleicht wird dir dein Ansinnen vergeben.

Denn ich sehe dich voll bitterer Galle und Bosheit.

Da antwortete Simon: Betet ihr für mich zum Herrn, damit mich nichts von dem trifft, was ihr gesagt habt.“ (Apostelgeschichte 8:18-24.)

Offenbar erkannte Simon, wie verdorben seine Beweggründe waren. Möglicherweise fällt das nicht jedem von uns so leicht. So gut wie immer bewegen uns mehrere Gründe gleichzeitig. Manches mag eine Mischung aus dem sein, was Gott will, und dem, was wir wollen. Es ist nicht leicht, das zu trennen.

Stellen Sie sich beispielsweise einmal vor, Sie müssten morgen eine Prüfung schreiben oder zu einem Vorstellungsgespräch erscheinen. Ihnen ist klar, dass Weisung vom Heiligen Geist da sehr hilfreich sein könnte. Aus eigener Erfahrung weiß ich zum Beispiel, dass der Heilige Geist einige der mathematischen Formeln aus dem Bereich der Thermodynamik kennt, einem Zweig der Wissenschaft. Als geplagter Physikstudent las ich einmal ein Buch darüber. Ich besitze es noch, denn ich habe es als Andenken und geistige Stütze aufgehoben. Auf halber Seite, mitten in einer Berechnung (ich könnte Ihnen sogar noch genau zeigen, wo), empfing ich eine deutliche Bestätigung, dass das, was ich las, der Wahrheit entsprach. Es war genau dasselbe Gefühl, das ich schon früher gehabt hatte, wenn ich über die Schriften des Herrn nachdachte, und das ich seither oft gehabt habe. Ich erkannte daraus, dass der Heilige Geist in allem, was ich bei einer Prüfung in Thermodynamik gefragt werden könnte, die Wahrheit wissen würde.

Sie können sich sicher denken, dass ich versucht war, Gott darum zu bitten, mir den Heiligen Geist in der Prüfung zu schicken, damit ich nicht weiter lernen musste. Ich war sicher, dass er das konnte, aber ich habe ihn nicht darum gebeten. Ich hatte den Eindruck, er wollte mir beibringen, dass ich mich lieber anstrengen soll. Er hätte mir sicher bei der Prüfung Hilfe senden können, ich aber fürchtete, meine Beweggründe seien nicht die seinen. Vor der gleichen Wahl haben auch Sie schon oft gestanden – vielleicht, wenn Sie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen waren oder gar dann, wenn Sie sich auf eine Ansprache oder eine Missionarslektion vorbereitet haben. Es besteht immer die Möglichkeit, dass Sie selbstsüchtige Ziele verfolgen, die für den Herrn weniger wichtig sind.

Zum Beispiel möchte ich vielleicht eine gute Note bei einem Kurs bekommen, wenn er es lieber sähe, dass ich lerne, mich im Dienst am Nächsten abzumühen. Ich will einen bestimmten Arbeitsplatz vielleicht wegen des Geldes oder um des Ansehens willen, während er mich woanders arbeiten lassen möchte, wo es jemandem nützt, den ich nicht einmal kenne. Zweifellos verfolgt er auch eine Absicht damit, dass Sie mich heute reden hören. Er kennt Sie. In mir könnte der Wunsch aufkeimen, Sie zu unterhalten oder zu beeindrucken. Ich habe mich aber bemüht, meinen Wunsch zu unterdrücken und mich dem seinen zu fügen.

Ich habe so etwas auch einmal bei jemand anderem beobachtet. Es hat mein Leben verändert. Eine der Generalautoritäten sollte bei einer Konferenz sprechen, bei der ich vorne auf dem Podium saß. Ich gehörte den örtlichen Priestertumsführern an. Ich wusste aus eigener Anschauung, welche Probleme die Familien und Mitglieder vor Ort hatten. Er hingegen, die Generalautorität, war gerade von einem längeren Aufenthalt in Europa zurückgekehrt und offensichtlich müde. Er stand auf, um eine Ansprache zu halten. Mir schien, als streife er von einem Thema zum anderen. Zuerst tat er mir leid. Ich dachte, es gelinge ihm nicht, eine geschliffene Predigt zu halten, wie er sie – das wusste ich – schon oft gehalten hatte.

Nach einer Weile stellte ich fasziniert fest, dass er bei seinem Streifzug durch scheinbar unzusammenhängende Themen die Bedürfnisse eines jeden armen, geplagten Mitglieds und jeder Familie ansprach, der wir helfen wollten. Er kannte die Leute und ihre Bedürfnisse gar nicht. Aber Gott kannte sie.

Wie dankbar bin ich doch, dass er nicht die Absicht hatte, eine großartige Predigt zu halten oder als mächtiger Prophet angesehen zu werden. Er hat wohl nur das getan, was Sie und ich hoffentlich immer tun. Er muss in etwa gebetet haben: „Vater, ich brauche deine Hilfe. Ich bin müde. Bitte führe mich mit dem Heiligen Geist. Segne diese Menschen. Sie bedeuten mir viel. Meine einzige Bitte ist: Lass mich deinen Willen tun, um ihnen zu helfen.“

Der Heilige Geist war an jenem Abend zugegen, und der Wille des Herrn wurde erfüllt. Diese Generalautorität hatte ihr Leben lang sich und andere am guten Wort Gottes genährt. Der Mann hatte dem Herrn treu gedient. Er war ein besonderer Zeuge Jesu Christi geworden, weil er den Preis dafür gezahlt hatte. All dies war nur möglich gewesen, weil er seine Absichten stets so fest er nur konnte mit dem Willen Gottes verbunden hatte. Deshalb konnte der Herr seinem Diener die Einflüsterungen des Heiligen Geistes senden und so die Menschen segnen.

Reine Christusliebe

Bestimmt verstehe ich nicht vollständig, was das Schriftwort von der „reinen Christusliebe“ bedeutet. Eine Bedeutung aber kenne ich: Es handelt sich um eine Gabe, die uns verheißen wird, wenn das Sühnopfer Jesu Christi in uns wirksam geworden ist. Die Gabe besteht darin, dass man will, was er will. Wenn unsere Liebe wie die seine ist, dann ist sie rein, weil er rein ist. Wenn wir spüren, dass das, was wir für die Menschen erreichen wollen, sich dem annähert, was er will, ist das eine der Möglichkeiten, wie wir erkennen können, dass wir rein gemacht werden. Wenn wir um die Gaben des Geistes bitten, was wir ja sollten, bete ich um die Gabe, reine Beweggründe zu haben – das zu wollen, was er für die Kinder des Vaters und für mich will, und dann sowohl zu spüren als auch zu sagen, dass ich will, dass sein Wille geschehe.

Genau das bedeuten für mich die folgenden Worte Moronis:

„Darum, meine geliebten Brüder, wenn ihr nicht Nächstenliebe habt, seid ihr nichts, denn die Nächstenliebe hört niemals auf. Darum haltet an der Nächstenliebe fest, die von allem das Größte ist, denn alles muss aufhören – aber die Nächstenliebe ist die reine Christusliebe, und sie dauert für immer fort; und bei wem am letzten Tag gefunden wird, dass er sie besitzt, mit dem wird es wohl sein.

Darum, meine geliebten Brüder, betet mit der ganzen Kraft des Herzens zum Vater, dass ihr von dieser Liebe erfüllt werdet, die er allen denen zuteil werden lässt, die wahre Nachfolger seines Sohnes Jesus Christus sind; damit ihr Söhne Gottes werdet; damit wir, wenn er erscheinen wird, ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist; damit wir diese Hoffnung haben, damit wir rein gemacht werden, so wie er rein ist. Amen.“ (Moroni 7:46-48.)

Ich gebe Ihnen mein Zeugnis, dass Gottvater lebt – ein verherrlichter und erhöhter Mensch. Er ist der Vater unseres Geistes. Er und sein geliebter Sohn sind auferstanden und verherrlicht dem jungen Joseph Smith in einem Wäldchen im Staat New York erschienen. Sie waren dort. Der Vater hat Joseph Smith angesprochen, ihn zunächst beim Namen genannt und dann seinen Sohn vorgestellt. Boten vom Himmel sind erschienen, um alle Priestertumsschlüssel der Vollmacht wiederherzustellen. Joseph Smith hat das Buch Mormon durch die Gabe und die Macht Gottes übersetzt. Propheten vor alters hatten es auf Platten geschrieben. Einer von ihnen übergab diese Joseph Smith und nahm sie wieder zurück, als die Übersetzung fertig war. Die Schlüssel des Priestertums sind heute auf der Erde. Als Zeuge Jesu Christi bezeuge ich: Ich weiß, dass er lebt und dass er seine Kirche führt.

Ich bete mit aller Kraft meines Herzens, dass Ihre Gebete darum erhört werden, dass Sie den Anforderungen genügen mögen, den Heiligen Geist zu empfangen. Ich bete auch, dass Sie treu bis ans Ende ausharren und dass es ein herrliches Ende für Sie wird.

Ich gebe Ihnen meinen Segen, dass Ihrer Bitte stattgegeben werden wird, mit den Gaben des Geistes dem Herrn zu dienen. Und ich grüße Sie von Herzen. Im Namen Jesu Christi. Amen.

 
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