Ein Vorrat an lebendigem Wasser
Elder David A. Bednar
vom Kollegium der Zwölf Apostel
CES-Fireside für junge Erwachsene • 4. Februar 2007 • Brigham-Young-Universität
Meine Frau und ich freuen uns, heute Abend bei Ihnen zu sein. Bei unseren Reisen in alle Welt schätzen wir besonders, dass wir mit glaubenstreuen jungen Menschen wie Ihnen zusammenkommen und von ihnen lernen können. Heute Abend bete ich um den Beistand des Geistes, wenn wir gemeinsam Gott verehren und vereint danach trachten, aus der Höhe belehrt zu werden (siehe LuB 43:16).
Ich möchte mit einer einfachen Frage beginnen. Was ist die kostbarste Substanz, der kostbarste Rohstoff der Welt? Zuerst fallen einem da vielleicht Gold, Öl oder Diamanten ein. Aber unter allen Mineralien, Metallen, Edelsteinen und Flüssigkeiten, die man auf und unter der Erde findet, ist Wasser am kostbarsten.
Die Quelle des Lebens ist Wasser. Wasser erhält das Leben aufrecht. Wasser ist der Stoff, der für die verschiedenen Funktionen aller bekannten Lebensformen erforderlich ist. Unser Körper besteht zu etwa zwei Dritteln aus Wasser. Man kann zwar mehrere Tage oder sogar Wochen ohne Nahrung überleben, aber ohne Wasser stirbt man normalerweise in nur drei oder vier Tagen. Die meisten großen Ballungszentren der Welt befinden sich in der Nähe von Frischwasserquellen. Das heißt also, ohne ausreichenden Bestand an sauberem Wasser, der auch zugänglich sein muss, wäre das Leben unmöglich.
Lebendiges Wasser
Angesichts der lebenswichtigen Rolle von Wasser für den Erhalt aller Lebensformen ist es überaus bedeutsam, dass der Erretter den Begriff „lebendiges Wasser“ verwendet. Im vierten Kapitel von Johannes wird beschrieben, wie Jesus und seine Jünger Samarien durchquerten, als sie von Judäa nach Galiläa gingen. Im Ort Sychar machten sie am Jakobsbrunnen halt.
„Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken!
Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen.
Die samaritische Frau sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.
Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.
Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? …
Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“ (Johannes 4:7-11,13,14.)
Das lebendige Wasser in dieser Begebenheit stellt den Herrn Jesus Christus und sein Evangelium dar. Und so wie Wasser unerlässlich ist, um den Körper am Leben zu erhalten, so sind auch der Erretter und seine Lehren, Grundsätze und Verordnungen unerlässlich für das ewige Leben. Sie und ich brauchen sein lebendiges Wasser täglich und reichlich, um weiterhin beständig geistig wachsen und uns entwickeln zu können.
Die heiligen Schriften sind ein Vorrat an lebendigem Wasser
Die heiligen Schriften enthalten die Worte Christi und sind ein Vorrat an lebendigem Wasser, zu dem wir leicht Zugang haben und von dem wir in tiefen Zügen und lange trinken können. Sie und ich müssen auf Christus blicken und zu ihm kommen, der die „Quelle lebendigen Wassers“ ist (siehe 1 Nephi 11:25; vgl. Ether 8:26; 12:28), indem wir die Worte Christi, wie sie in den heiligen Schriften enthalten sind, lesen (siehe Mosia 1:5), studieren (siehe LuB 26:1), darin forschen (siehe Johannes 5:39; Alma 17:2) und uns daran weiden (siehe 2 Nephi 32:3). Wenn wir das tun, können wir auf unserer Reise durch das Erdenleben vom Geist sowohl geleitet als auch beschützt werden.
Der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist die heilige Aufgabe übertragen, die niedergeschriebenen Offenbarungen – diesen kostbaren Vorrat an lebendigem Wasser – unverfälscht und sicher zu bewahren (siehe LuB 42:56). Die Kirche hat in den 70er und 80er Jahren enorme Arbeit geleistet. Ergebnis war die Ausgabe der heiligen Schriften, die wir heute haben – mit ausführlichen Fußnoten, Querverweisen und zusätzlichen Hilfen für das Studium, Landkarten und Informationen.
Als diese überarbeitete Version der heiligen Schriften Anfang der 80er Jahre den Mitgliedern erstmalig vorgestellt wurde, prophezeite Elder Boyd K. Packer:
„Im Laufe der Jahre werden diese heiligen Schriften Generationen von treuen Christen hervorbringen, die den Herrn Jesus Christus kennen und bereit sind, seinem Willen zu gehorchen. …
Die ältere Generation ist ohne diese neuen Versionen ausgekommen, aber es wächst eine andere Generation heran.“ (Ensign, November 1982, Seite 53.)
Vierundzwanzig Jahre sind vergangen, seit Elder Packer dies gesagt hat. Und die Generation, die er gemeint hat, ist heute Abend in Kirchengebäuden rund um den Globus versammelt! Er hat von Ihnen gesprochen, und er hat von mir gesprochen. Die große Mehrheit von Ihnen kennt die heiligen Schriften nur so, wie wir sie heute haben. Denken Sie bitte daran, wenn ich jetzt Elder Packer weiter zitiere:
„[Dieser Generation] werden die Offenbarungen zugänglich und verständlich sein wie keiner anderen zuvor. Ihr sind nun die Hölzer Josefs und Judas in die Hand gegeben, und sie wird sich eine Evangeliumskenntnis aneignen können, die weit über das hinausgeht, was ihren Vorfahren möglich war. Sie wird das Zeugnis haben, dass Jesus der Messias ist, und qualifiziert sein, ihn zu verkündigen und für ihn einzutreten.“ (Ensign, November 1982, Seite 53.)
Wir sind nicht nur damit gesegnet, dass uns diese heiligen Schriften heute zur Verfügung stehen, sondern wir sind auch verpflichtet, sie beständig zu unserem Nutzen zu verwenden und in tiefen Zügen aus dem Vorrat an lebendigem Wasser zu trinken. Ich glaube, diese Generation junger Menschen vertieft sich mehr in die Schriften, ist mit den Worten der Propheten wesentlich besser vertraut und neigt eher dazu, in den Offenbarungen nach Antworten zu suchen, als alle Generationen zuvor. Aber wir haben noch immer einen weiten Weg auf dem engen und schmalen Pfad vor uns – noch mehr zu lernen, noch mehr umzusetzen und noch mehr zu erfahren.
Wie wir lebendiges Wasser aus dem Vorrat der heiligen Schriften schöpfen
Ich möchte mit Ihnen jetzt drei grundlegende Methoden besprechen, wie man lebendiges Wasser aus dem Vorrat in den heiligen Schriften schöpft: 1.) die Schriften von Anfang bis Ende lesen, 2.) die Schriften nach Themen studieren und 3.) in den Schriften nach Zusammenhängen, Mustern und Leitgedanken forschen. Jede dieser Herangehensweisen kann unseren geistigen Durst stillen helfen, wenn wir um die Begleitung und den Beistand des Heiligen Geistes bitten, während wir lesen, studieren und forschen.
Wenn wir eine der heiligen Schriften von Anfang bis Ende lesen, beginnt lebendiges Wasser in unser Leben zu strömen, da wir an bedeutsame Ereignisse, Evangeliumslehren und zeitlose Grundsätze herangeführt werden. Auf diese Weise können wir wichtige Personen in den Schriften kennenlernen und erfahren, in welcher Reihenfolge, wann und in welchem Zusammenhang etwas geschehen ist und gelehrt wurde. Wenn wir das geschriebene Wort so lesen, entfaltet sich die jeweilige heilige Schrift in voller Breite vor uns. Dies ist die erste und grundlegendste Methode, lebendiges Wasser zu schöpfen.
Nach Themen zu studieren folgt üblicherweise auf das Lesen der Schriften von Anfang bis Ende, es geht daraus hervor und baut darauf auf. Wenn wir beispielsweise das Buch Mormon lesen, stoßen wir vielleicht auf wesentliche Fragen zur Lehre und auf praktische Fragen und suchen nach Antworten darauf, zum Beispiel:
- • Was bedeutet es, an Jesus zu glauben?
- • Warum ist der Glaube an Jesus Christus der erste Grundsatz des Evangeliums?
- • Warum und wie führt der Glaube an den Erlöser zur Umkehr?
- • Wie verleiht mir das Sühnopfer die Kraft, im täglichen Leben etwas zu schaffen, was ich mit meinen eigenen begrenzten Fähigkeiten und aus eigener Kraft nie zuwege bringen würde?
Wenn wir uns auf solche Fragen konzentrieren und anhand des Schriftenführers nach Themen studieren, können wir die heiligen Schriften bis in die Tiefe ergründen und viel reichere geistige Erkenntnis erlangen. Wenn wir so herangehen, strömt noch mehr lebendiges Wasser in unser Leben.
Sowohl das Lesen von Anfang bis Ende als auch nach Themen zu studieren sind Voraussetzungen für die dritte grundlegende Methode, lebendiges Wasser aus dem Vorrat der heiligen Schriften zu schöpfen. Während das Lesen einer heiligen Schrift von Anfang bis Ende für einen allgemeinen Überblick an Wissen sorgt, vertieft sich unsere Erkenntnis, wenn wir nach Themen studieren. In den Offenbarungen nach Zusammenhängen, Mustern und Leitgedanken zu forschen, baut auf unserer geistigen Erkenntnis auf und ergänzt sie, indem diese ersten beiden Methoden zusammengeführt und erweitert werden; es erweitert unseren Blick auf den Erlösungsplan und unser Verständnis davon.
Meines Erachtens ist auch eifriges Forschen nach Zusammenhängen, Mustern und Leitgedanken damit gemeint, wenn wir uns an den Worten von Christus „weiden“ sollen. So heranzugehen kann die Schleusen des geistigen Vorrats öffnen und unser Verständnis durch den Geist Christi erhellen. Es kann uns auch sehr dankbar für die heiligen Schriften machen und uns geistig zu einer Selbstverpflichtung bewegen, wie sie auf keine andere Weise zu erreichen ist. Wenn wir so forschen, können wir auf den Fels unseres Erlösers bauen und dem Ansturm der Schlechtigkeit in diesen Letzten Tagen standhalten.
Ich möchte hier auf einen entscheidenden Punkt hinweisen. Man könnte zunächst annehmen, dass man eine gründliche Ausbildung braucht, um die Methoden anzuwenden, die ich beschrieben habe. Das stimmt aber nicht. Jeder, der aufrichtig nach Wahrheit sucht, kann ungeachtet seines Bildungsgrads diese einfachen Methoden erfolgreich anwenden. Sie und ich brauchen keine ausgeklügelten Studienhilfen und sollten uns auch nicht zu sehr auf die geistige Erkenntnis anderer verlassen. Wir brauchen nur den aufrichtigen Wunsch zu lernen sowie den Heiligen Geist als Begleiter, die heiligen Schriften und einen wachen, forschenden Verstand.
Der Prophet Joseph Smith hat gesagt: „Erforscht die Schrift – erforscht die Offenbarungen, die wir veröffentlichen, und bittet euren Vater im Himmel im Namen seines Sohnes Jesus Christus, er möge euch die Wahrheit kundtun; und wenn ihr es so tut, dass ihr nur seine Herrlichkeit im Auge habt und in nichts zweifelt, wird er euch durch die Macht seines Heiligen Geistes Antwort geben. Ihr werdet es dann selbst wissen und nicht durch jemand anders. Ihr werdet dann nicht mehr auf Menschen angewiesen sein, wenn es um Gotteserkenntnis geht.“ (History of the Church, 1:282.)
Wenn wir bitten, suchen und anklopfen (siehe Matthäus 7:7) und immer würdig bleiben, vom Geist zu lernen, dann werden sich die Schleusen des geistigen Vorrats für uns öffnen, und das lebendige Wasser wird fließen. Ich bezeuge und verheiße, dass das stimmt.
Lassen Sie mich kurz anhand von Beispielen erklären, was ich mit Zusammenhängen, Mustern und Leitgedanken meine.
Zusammenhänge
Ein Zusammenhang ist eine Beziehung oder Verknüpfung zwischen Ideen, Menschen, Gegenständen oder Ereignissen. In den heiligen Schriften gibt es viele davon. Denken Sie an die Beziehung zwischen dem himmlischen Vater und seinem Sohn Jesus Christus (siehe Mosia 15:1-9), zwischen Barmherzigkeit und Gnade (siehe 2 Nephi 9:8), zwischen reinen Händen und einem lauteren Herzen (siehe Psalm 24:4), zwischen einem reuigen Herzen und einem zerknirschten Geist (siehe 3 Nephi 9:20), zwischen dem Weizen und dem Unkraut (siehe LuB 101:65), zwischen Wissen und Intelligenz (siehe LuB 130:18,19), zwischen Rechtfertigung und Heiligung (siehe LuB 20:30,31), zwischen den Schafen und den Böcken (siehe Matthäus 25:32,33), zwischen Unsterblichkeit und ewigem Leben (siehe Mose 1:39) und an zahllose weitere. Gebeterfüllt solche Zusammenhänge zu erkennen, darüber mehr zu erfahren und nachzusinnen – Ähnlichkeiten und Unterschiede zum Beispiel –, stellt eine Hauptquelle an lebendigem Wasser dar und bringt inspirierte Erkenntnisse und Schätze von verborgenem Wissen hervor.
Als ich die einzelnen heiligen Schriften von Anfang bis Ende gelesen und verschiedene Themen studiert habe, ist mir aufgefallen, dass der Begriff verstehen normalerweise im Zusammenhang mit dem Herzen vorkommt. Zwei Verse im Buch Mormon veranschaulichen dies:
„Ihr habt euer Herz nicht darauf verwandt, es zu verstehen; darum seid ihr nicht weise gewesen.“ (Mosia 12:27; Hervorhebung hinzugefügt.)
„Und die Menge hat es gehört und gibt Zeugnis; und ihr Herz war offen, und sie verstanden in ihrem Herzen die Worte, die er betete.“ (3 Nephi 19:33; Hervorhebung hinzugefügt.)
Ich finde es in diesen und weiteren Versen höchst interessant, dass das Verstehen vor allem mit dem Herzen verknüpft wird. Beachten Sie, dass uns nicht ausdrücklich geraten wird, zum Verstehen unseren Verstand zu gebrauchen. Offensichtlich müssen wir also Verstand und logisches Denken einsetzen, um Informationen zu erhalten und zu bewerten und um vernünftig Schlüsse zu ziehen und zu urteilen. Aber vielleicht wollen die Schriften uns darauf hinweisen, dass der Verstand und der „Arm des Fleisches“ (LuB 1:19) nicht ausreichen, um wahres Verständnis zu entwickeln. Also ist mit dem Wort „verstehen“ in den heiligen Schriften nicht ausschließlich oder hauptsächlich gemeint, etwas intellektuell oder verstandesmäßig zu begreifen. Vielmehr entsteht Verständnis, wenn etwas, was wir mit dem Verstand erfasst haben, uns im Herzen durch das Zeugnis des Heiligen Geistes als wahr bestätigt wird.
Die geistige Gabe Offenbarung wirkt üblicherweise, indem uns durch den Heiligen Geist Gedanken und Gefühle in Verstand und Herz eingegeben werden (siehe LuB 8:2,3; 100:5-8). Und wenn Zeugnis und Überzeugung vom Kopf zum Herzen vordringen, verfügen wir nicht mehr nur über Informationen oder Wissen, sondern wir fangen an, etwas zu verstehen und nach der mächtigen Wandlung im Herzen zu trachten. Verstehen ist also das Ergebnis von Offenbarung; es ist eine geistige Gabe, es ist eine Voraussetzung für die Bekehrung, und es spornt uns an, beständiger gemäß den gelernten Grundsätzen zu leben.
Diese offenbarte Erkenntnis über den Zusammenhang zwischen dem Herzen und dem Verständnis beeinflusst sehr stark meine Herangehensweise, wenn ich etwas über das Evangelium lernen und es studieren will; sie wirkt sich auch positiv darauf aus, wie meine Frau und ich unsere Kinder und Enkel belehren, und sie wirkt sich auf meinen Dienst im Priestertum aus.
Muster
Ein Muster ist ein Plan, eine Vorlage oder ein Maßstab, den man als Anleitung verwenden kann, wenn man etwas wiederholt verrichtet oder anfertigt. Die heiligen Schriften enthalten viele geistige Muster. Typischerweise sind Muster in den heiligen Schriften weiter gefasst und verständlicher als Zusammenhänge. Im Buch Lehre und Bündnisse finden wir Muster dafür, wie man das Evangelium predigt (siehe LuB 50:13-29), wie man Täuschung entgeht (siehe LuB 52:14,18,19), Tempel baut (siehe LuB 115:14-16), Städte gründet (siehe LuB 94), wie man Priestertumskollegien organisiert (siehe LuB 107:85-100) und den Hoherat (siehe LuB 102:12) sowie für zahlreiche weitere Angelegenheiten. Muster in den heiligen Schriften zu erkennen und sich eingehend damit zu befassen, ist ein weiterer Quell an lebendigem Wasser; dadurch können wir die Weisheit und den Willen des Herrn kennenlernen und besser damit vertraut werden (siehe LuB 95:13).
Als ich das Buch Lehre und Bündnisse von Anfang bis Ende gelesen und nach Themen studiert habe, hat mich ein Muster beeindruckt, das in vielen Antworten des Herrn auf die Fragen der Missionare vorhanden ist. 1831 kam es mehrmals vor, dass verschiedene Gruppen Ältester, die berufen worden waren, das Evangelium zu predigen, wissen wollten, wie sie vorgehen sollten und auf welcher Strecke und wie sie reisen sollten. In Offenbarungen durch den Propheten Joseph Smith teilte der Herr diesen Brüdern dazu mit, dass sie zu Wasser oder zu Lande reisen könnten (siehe LuB 61:22), dass sie die erforderlichen Fahrzeuge bauen oder kaufen könnten (siehe LuB 60:5), dass sie alle gemeinsam oder zu zweit reisen könnten (siehe LuB 62:5) oder dass sie durchaus in etliche unterschiedliche Richtungen gehen könnten (siehe LuB 80:3). In den Offenbarungen wurden die Brüder ausdrücklich angewiesen, diese Entscheidungen so zu treffen, „wie es euch gut scheint“ (LuB 60:5; 62:5) beziehungsweise „wie es ihnen … gemäß ihrem eigenen Urteil kundgetan werden wird“ (LuB 61:22). Jedes Mal erklärte der Erretter hierbei, dass es ihm darauf nicht ankommt (siehe LuB 60:5; 61:22; 62:5; 63:40; 80:3).
Die Aussage des Herrn, dass ihm dergleichen „nichts ausmacht“, mag einen zunächst überraschen. Bestimmt hat der Erretter diesen Missionaren nicht sagen wollen, dass es ihm egal war, was sie taten. Vielmehr hat er betont, dass es darauf ankommt, das Wichtigste zuerst zu erledigen und sich auf die richtigen Dinge zu konzentrieren – und das war in diesen Fällen, ins zugeteilte Arbeitsgebiet zu gelangen und das Werk zu beginnen. Sie sollten Glauben ausüben, klug urteilen, gemäß der Führung des Heiligen Geistes handeln und die beste Methode finden, in ihr Aufgabengebiet zu reisen. Das Wesentliche war die Arbeit, zu der sie berufen waren; wie sie ihren Zielort erreichten, war wichtig, aber nicht ausschlaggebend.
Was für ein bemerkenswertes Muster, das wir alle auf unser Leben anwenden können! Jesus Christus kennt jeden Einzelnen von uns und hat uns lieb. Er sorgt sich um unsere geistige Entwicklung, unseren Fortschritt, und spornt uns an zu wachsen, indem wir inspiriert, rechtschaffen und weise urteilen und entscheiden. Der Erlöser wird uns niemals im Stich lassen. Wir müssen immer darum beten, geführt und angeleitet zu werden. Wir müssen immer danach trachten, den Heiligen Geist als ständigen Begleiter zu haben. Aber wir dürfen uns nicht ärgern oder mutlos werden, wenn unsere Bitten um Führung oder Hilfe nicht immer schnell beantwortet werden. Solche Antworten kommen selten auf der Stelle. Wir würden in unserem Fortschritt behindert und unser Urteilsvermögen würde geschwächt, wenn wir jede Antwort sofort erhielten – ohne, dass wir gefordert wären, den Preis an Glauben, Arbeit, Eifer und Ausdauer zu zahlen.
Dieses Muster wird kurz und bündig in folgender Anweisung an jene frühen Missionare beschrieben:
„Ich, der Herr, bin willens: Wenn jemand von euch den Wunsch hat, auf einem Pferd oder auf einem Maultier zu reiten oder in einem Wagen zu fahren, so soll er diese Segnung empfangen, wenn er sie aus der Hand des Herrn mit dankerfülltem Herzen für alles empfängt.
Dies verbleibt bei euch, damit ihr mit Urteilsvermögen und gemäß den Weisungen des Geistes handeln könnt.
Siehe, das Reich ist euer. Und siehe, ja, siehe, ich bin allezeit mit den Treuen. So ist es. Amen.“ (LuB 62:7-9, Hervorhebung hinzugefügt.)
Die wichtigsten Punkte in diesen Versen sind nicht Pferde, Maultiere oder Wagen, sondern Dankbarkeit, Urteilsvermögen und Glaubenstreue. Beachten Sie bitte die Grundbestandteile dieses Musters: 1.) ein dankerfülltes Herz für alles; 2.) mit Urteilsvermögen und gemäß den Weisungen des Geistes handeln; 3.) der Herr ist allezeit mit den Treuen. Bekommen wir allmählich ein Gefühl dafür, wie sicher man geführt werden und welch neue Kraft es verleihen kann, wenn man nach diesem einfachen Muster vorgeht, um inspiriert und rechtschaffen zu entscheiden? Wahrhaftig, Muster in den heiligen Schriften sind ein kostbarer Quell an lebendigem Wasser.
Die schwierigsten Entscheidungen, die wir treffen müssen, sind selten die zwischen guten oder schlechten beziehungsweise zwischen attraktiven oder unattraktiven Alternativen. Normalerweise fällt es uns am schwersten, zwischen gut und gut zu entscheiden. In dieser Begebenheit in der heiligen Schrift waren Pferde, Maultiere und Wagen ähnlich zweckmäßige Transportmöglichkeiten für die Missionare. Ähnlich werden wir alle verschiedentlich in unserem Leben feststellen, dass es mehr als eine annehmbare Vorgehensweise gibt, für die wir uns entscheiden könnten. Denken wir an dieses Muster aus den heiligen Schriften, wenn wir derart wichtige Entscheidungen vor uns haben. Wenn wir das Wesentliche an die erste Stelle setzen, zum Beispiel Christus mit ganzem Eifer nachfolgen, unsere Bündnisse halten und die Gebote befolgen, dann werden wir mit Inspiration und einem ausgeprägten Urteilsvermögen gesegnet, wenn wir auf dem Weg gehen, der uns wieder zu unserem himmlischen Zuhause führt. Wenn wir das Wesentliche an die erste Stelle setzen, können wir nicht fehlgehen (siehe LuB 80:3).
Leitgedanken
Leitgedanken sind Gesichtspunkte oder Gedanken, die einen Bogen spannen, immer wieder vorkommen, ein großes Ganzes schaffen – entscheidende Gedankengänge, die sich durch einen Text ziehen. Im Allgemeinen sind Leitgedanken in den heiligen Schriften weiter gefasst und verständlicher als Muster oder Zusammenhänge. Eigentlich schaffen sie den Hintergrund und Kontext dafür, Zusammenhänge und Muster zu verstehen. Wenn wir nach Leitgedanken in den Schriften forschen und sie finden, werden wir zu den grundlegenden Lehren und Grundsätzen der Erlösung geführt – den ewigen Wahrheiten, die das bestätigende Zeugnis des Heiligen Geistes einladen (siehe 1 Johannes 5:6). Auf diese Weise lebendiges Wasser aus dem Vorrat der heiligen Schriften zu schöpfen, erfordert die größte Anstrengung, aber es erbaut und erfrischt den Geist auch am meisten. Die heiligen Schriften enthalten eine Fülle von machtvollen Leitgedanken.
Beispielsweise ist das Buch Mormon in dieser Evangeliumszeit hervorgebracht worden, um „die Juden und die Andern davon [zu überzeugen], dass Jesus der Christus ist, der ewige Gott, der sich allen Nationen kundtut“ (Titelseite des Buches Mormon). Der zentrale und immer wiederkehrende Leitgedanke des Buches Mormon ist die Einladung an alle, zu Christus zu kommen und in ihm vollkommen zu werden (siehe Moroni 10:32). Die Lehren, Warnungen, Ermahnungen und Begebenheiten in diesem bemerkenswerten Buch sind alle auf Jesus Christus ausgerichtet und bezeugen, dass er der Erlöser und unser Erretter ist.
Ich werde nun ein paar weitere Beispiele für wichtige Leitgedanken anhand von Schriftstellen aus dem Buch Mormon anführen:
„Wenn … die Menschenkinder die Gebote Gottes halten, nährt er sie und stärkt sie und bereitet Mittel, wodurch sie das vollbringen können, was er ihnen geboten hat.“ (1 Nephi 17:3.)
„[Strebt] mit Beständigkeit in Christus vorwärts …“ (2 Nephi 31:20.)
„Menschen sind, damit sie Freude haben können.“ (2 Nephi 2:25.)
„In der Kraft des Herrn kannst du alles tun.“ (Alma 20:4.)
„Schlecht zu sein hat noch nie glücklich gemacht.“ (Alma 41:10.)
Wenn Sie versprechen, nicht zu lachen, erzähle ich Ihnen von einer meiner einfachen Methoden, wie ich nach Leitgedanken in den Schriften forsche. Ich empfehle nicht etwa, dass Sie genauso vorgehen – unterschiedliche Menschen können aus unterschiedlichen Methoden denselben Nutzen ziehen –; ich beschreibe einfach eine Methode, mit der ich gut zurechtkomme.
Als ich mich kürzlich auf eine Ansprache vorbereitete, wurde mir eingegeben, über den Geist der Sammlung und ihren Zweck zu sprechen. Ich hatte Elder Russell M. Nelsons jüngste Konferenzansprache über den Grundsatz der Sammlung (Liahona, November 2006, Seite 79-81) studiert und darüber nachgedacht, und das Thema passte genau zum Inhalt und Anlass meiner Ansprache (The Spirit and Purposes of Gathering, Ansprache anlässlich einer Andacht an der BYU Idaho, 31. Oktober 2006).
Mir war klar, dass ich viel darüber aus den Schriften erfahren musste, und so suchte ich jeden Vers in den heiligen Schriften heraus, der das Wort Sammlung in irgendeiner Form enthielt, und kopierte ihn. Als Nächstes las ich jede Schriftstelle im Hinblick auf Zusammenhänge, Muster und Leitgedanken. Dabei ist zu erwähnen, dass ich nach nichts Speziellem suchte, als ich anfing zu lesen. Ich betete um den Beistand des Heiligen Geistes und begann einfach zu lesen.
Als ich die Schriften auf den Begriff Sammlung hin durchsah, markierte ich Verse mit ähnlichen Satzteilen oder Hauptgedanken farbig. Als ich schließlich alle Schriftstellen gelesen hatte, waren manche Verse rot angestrichen, manche grün und manche in anderen Farben.
Jetzt kommt die Stelle, an der Sie vielleicht lachen werden. Ich schnitt als Nächstes die kopierten Schriftstellen mit der Schere aus und stapelte sie nach Farben auf. Dabei kam ein großer Stapel rot markierter Schriftstellen heraus, ein weiterer großer Stapel grün markierter und so weiter. Anschließend sortierte ich die Schriftstellen aus jedem Stapel in kleinere Stapel. Als Erstklässler muss es mir wohl einen gewaltigen Spaß gemacht haben, etwas auszuschneiden und Stapel aufzutürmen.
Was bei dieser Aktion herauskam, hat mich eine Menge über den Grundsatz Sammlung gelehrt. Zum Beispiel habe ich durch die Untersuchung meiner großen Stapel gelernt, dass die heiligen Schriften mindestens drei wesentliche Gesichtspunkte der Sammlung erwähnen: das Ziel der Sammlung, die Art der Sammlung und den Sammlungsort und die Segnungen durch die Sammlung.
Ich stellte fest, dass einige der wichtigsten Ziele der Sammlung sind, Gott anzubeten (siehe Mosia 18:25), Rat und Unterweisung zu empfangen (siehe Mosia 18:7), die Kirche zu errichten (siehe LuB 101:63,64) sowie Schutz und Zuflucht zu bieten (siehe LuB 115:6). Als ich mich eingehend mit der Art der Sammlung und dem Sammlungsort befasste, entdeckte ich, dass wir zu ewigen Familien gesammelt werden (siehe Mosia 2:5), als wiederhergestellte Kirche (siehe LuB 101:64,65), als Zionspfähle (siehe LuB 109:59), im heiligen Tempel (siehe Alma 26:5,6) und an zwei großen Zentren: im alten Jerusalem (siehe Ether 13:11) und in der Stadt Zion oder im Neuen Jerusalem (siehe 10. Glaubensartikel; LuB 42:9). Dankbar erfuhr ich, dass Erbauung oder Aufbau (siehe Epheser 4:12,13) sowie bewahrt (siehe Mose 7:61) und gestärkt zu werden (siehe LuB 82:14) zu den Segnungen durch die Sammlung gehören.
Durch diese Vorgehensweise habe ich den Geist der Sammlung noch mehr schätzen gelernt, und zwar als wesentlichen Bestandteil der Wiederherstellung von allem in der Evangeliumszeit der Fülle. Ich werde Ihnen jetzt nicht noch mehr darüber berichten, was ich über die Sammlung gelernt habe; ich wollte lediglich kurz eine Methode erläutern, wie man nach Leitgedanken in den heiligen Schriften forschen kann.
Die Segnungen, die wir erhalten können
Wunderbar sind die Segnungen, etwas zu wissen, zu verstehen, offenbart zu bekommen und geistig belebt zu werden. Wir können sie empfangen, indem wir die heiligen Schriften lesen, studieren und in ihnen forschen. Sich am Wort von Christus zu weiden (siehe 2 Nephi 31:20) erbaut, ist anregend und macht Freude. Das Wort ist gut, „denn es fängt an, meine Seele zu erweitern; ja, es fängt an, mein Verständnis zu erleuchten; ja, es fängt an, mir köstlich zu sein.“ (Alma 32:28.) „Siehe, sie stehen geschrieben, ihr habt sie vor euch, darum forscht in ihnen“ (3 Nephi 20:11), und sie werden „in [euch] zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt“ (Johannes 4:14).
Als ich im Laufe der Jahre für mich allein gelesen, studiert und geforscht habe, habe ich mich häufig auf das Sühnopfer Jesu Christi konzentriert. Kein Ereignis, nichts, was ich erkannt habe oder was auf mich eingewirkt hat, hat mich in den 54 Jahren meines Erdenlebens stärker beeinflusst, als wiederholt über das Sühnopfer zu lesen, mich eingehend damit zu befassen und nach dazugehörigen Zusammenhängen, Mustern und Leitgedanken zu forschen. Diese zentrale, erlösende Lehre hat im Laufe der Zeit meine Seele getränkt wie der Tau vom Himmel, hat meine Gedanken, Worte und Taten beeinflusst (siehe Mosia 4:30) und ist mir buchstäblich zum Quell lebendigen Wassers geworden.
Lehis Vision
Wie wichtig es ist, die heiligen Schriften zu lesen, zu studieren und darin zu forschen, wird in mehreren Bestandteilen von Lehis Vision vom Baum des Lebens deutlich.
Vater Lehi sah verschiedene Menschengruppen auf dem engen und schmalen Pfad vorwärtsgehen, um zu dem Baum und seiner Frucht zu gelangen. Die Menschen in jeder Gruppe waren durch das Tor der Umkehr und die Taufe durch Wasser auf den Pfad gelangt und hatten die Gabe des Heiligen Geistes empfangen (siehe 2 Nephi 31:17-20). Der Baum des Lebens ist der zentrale Bestandteil des Traums, und in 1 Nephi 11 wird erklärt, dass er Jesus Christus darstellt. Die Frucht am Baum symbolisiert die Segnungen durch das Sühnopfer des Erretters. Interessanterweise steht der wichtigste Leitgedanke des Buches Mormon, nämlich alle einzuladen, zu Christus zu kommen, im Mittelpunkt von Lehis Vision. Besonders interessant ist die eiserne Stange (siehe 1 Nephi 8:19), die zu dem Baum hinführt. Die eiserne Stange ist Gottes Wort.
In 1 Nephi 8, Vers 21 bis 23, erfahren wir von einer Menschengruppe, die vorwärtsstrebte und auf den Pfad gelangte, der zum Baum des Lebens führte. Als die Menschen jedoch in den Nebel der Finsternis gerieten, der die Versuchungen des Teufels darstellt (siehe 1 Nephi 12:17), fanden sie den Weg nicht mehr, irrten ab und gingen verloren.
Es ist eine wichtige Feststellung, dass die eiserne Stange in diesen Versen nicht erwähnt wird. Wer das Wort Gottes missachtet oder leichtfertig damit umgeht, kann auf diesen göttlichen Kompass, der den Weg zum Erretter zeigt, nicht zugreifen. Beachten Sie, dass diese Gruppe auf den Pfad gelangte und vorwärtsstrebte, also etwas Glauben an Christus und geistige Überzeugung zeigte, aber durch die Versuchungen des Teufels davon abgebracht wurde und verloren ging.
In Vers 24 bis 28 von Kapitel 8 lesen wir über eine zweite Menschengruppe, die auf den engen und schmalen Pfad gelangte, der zum Baum des Lebens führte. Diese Gruppe strebte durch den Nebel der Finsternis hindurch vorwärts und hielt sich dabei an der eisernen Stange fest, so lange, bis sie das Ziel erreichte und von der Frucht des Baumes aß. Als die Menschen in dieser zweiten Gruppe jedoch von den Bewohnern des großen und geräumigen Gebäudes verspottet wurden, schämten sie sich, fielen auf verbotene Pfade ab und gingen verloren. Beachten Sie bitte, dass diese Gruppe so beschrieben wird: Sie hielten sich an der eisernen Stange fest.
Es ist bedeutsam, dass die zweite Gruppe gläubig und eifrig vorwärtsstrebte. Außerdem hatten diese Menschen den Vorteil, dass die eiserne Stange greifbar war, und sie hielten sich daran fest! Als sie jedoch verfolgt und angefeindet wurden, fielen sie auf verbotene Pfade ab und gingen verloren. Selbst mit Glauben, Eifer und dem Wort Gottes ging diese Gruppe verloren – vielleicht, weil sie nur gelegentlich die heiligen Schriften las oder studierte oder darin forschte. An der eisernen Stange festhalten klingt für mich nach nur gelegentlichem, „anfallsartigem“ Studium beziehungsweise danach, dass nur unregelmäßig am Wort Gottes genippt wird, anstatt sich beständig, fortwährend darin zu vertiefen.
In Vers 30 lesen wir über eine dritte Gruppe, die vorwärtsstrebte; sie hielt sich dabei beständig an der eisernen Stange fest, bis sie ankam, niederfiel und von der Frucht des Baumes aß. Die Kernaussage in diesem Vers lautet: sich „beständig“ an der eisernen Stange festhalten.
Die dritte Gruppe strebte ebenfalls gläubig und eifrig vorwärts; allerdings weist nichts darauf hin, dass sie abirrte, auf verbotene Pfade geriet oder verloren ging. Vielleicht haben die Menschen in dieser dritten Gruppe beständig die Worte von Christus gelesen und studiert und darin geforscht. Vielleicht lag es daran, dass das lebendige Wasser beständig strömte, dass die dritte Gruppe nicht zugrunde ging. Dieser Gruppe anzugehören – danach sollten wir alle streben.
„Was bedeutet die eiserne Stange, die unser Vater gesehen hat, die zu dem Baum führt?
Und ich sagte ihnen, das sei das Wort Gottes; und wer auf das Wort Gottes höre und daran festhalte, der werde niemals zugrunde gehen; auch könnten die Versuchungen und die feurigen Pfeile des Widersachers sie nicht mit Blindheit schlagen, um sie weg ins Verderben zu führen.“ (1 Nephi 15:23,24; Hervorhebung hinzugefügt.)
Worin unterscheiden sich nun das sporadische und das beständige Festhalten an der eisernen Stange? Ich würde sagen: Zu dem beständigen Festhalten gehört, gebeterfüllt und beständig lebendiges Wasser zu schöpfen – mit allen drei Methoden, die wir heute Abend besprochen haben.
„Und es begab sich: Ich sah, dass die eiserne Stange, die mein Vater gesehen hatte, das Wort Gottes ist, das zu der Quelle lebendigen Wassers oder zum Baum des Lebens führt.“ (1 Nephi 11:25.)
Jede dieser Vorgehensweisen – von Anfang bis Ende lesen, nach Themen studieren und nach Zusammenhängen, Mustern und Leitgedanken forschen – ist erbaulich, lehrreich und erquickt mit einem Schluck vom lebendigen Wasser des Erretters. Ich glaube allerdings, dass das lebendige Wasser beständiger strömt, wenn man alle drei Methoden regelmäßig einsetzt, und das ist es wohl vor allem, was es bedeutet, beständig an der eisernen Stange festzuhalten.
Durch das, was wir jeden Tag so tun, verlieren wir eine beträchtliche Menge des Wassers, aus dem unser Körper zum Großteil besteht. Durst zeigt an, dass die Körperzellen Wasser brauchen. Die Körperflüssigkeit muss täglich aufgefüllt werden. Es ist schlichtweg unsinnig, gelegentlich Wasser zu „tanken“ und in der Zwischenzeit lange auszutrocknen. So ist es auch in geistiger Hinsicht. Geistig zu dürsten zeigt an, dass man lebendiges Wasser braucht. Ein beständiger Strom an lebendigem Wasser ist weitaus besser als gelegentliches Nippen.
Lesen wir täglich so die Schrift, studieren sie und forschen darin, dass wir uns beständig an der eisernen Stange festhalten – oder halten wir uns nur sporadisch fest? Streben wir vorwärts zur Quelle lebendigen Wassers – und stützen wir uns dabei auf das Wort Gottes? Dies sind wichtige Fragen für jeden von uns, über die wir gebeterfüllt nachdenken sollten.
Zum Abschluss singen wir heute Abend gemeinsam das Lied „Die eiserne Stange“. Dieses Lied der Rechtschaffenen soll ein inniges und eindringliches Gebet zum Herrn sein (siehe LuB 25:12). Mögen wir Ohren haben, um die Botschaft zu hören, die es enthält.
Ich gebe Zeugnis von Jesus Christus und der Kraft seines Wortes, und dass er das Wort ist. Er ist der Sohn des ewigen Vaters, und ich weiß, dass er lebt. Ich bezeuge, dass wir zu seinem lebendigen Wasser gelangen, wenn wir beständig an der eisernen Stange festhalten. Als sein Diener flehe ich diesen Segen auf Sie herab: Mögen Ihr Wunsch und Ihre Fähigkeit, an der eisernen Stange beständig festzuhalten, zunehmen, und möge Ihr Glaube an den Erretter wachsen und Ihre Ängste vertreiben. Wenn Sie in tiefen Zügen aus dem Vorrat der heiligen Schriften trinken, werden Sie ihn dadurch kennenlernen. Mögen wir immer daran denken:
Wer fest an Gottes Wort sich hält,
der kann nicht untergehn,
auch wenn Versuchung ihn befällt;
er wird ihr widerstehn.
(Gesangbuch, Nr. 181)
Im heiligen Namen Jesu Christi. Amen.
© 2007 by Intellectual Reserve, Inc. Alle Rechte vorbehalten. Printed in the USA. Genehmigung: Englisch 6/06, Übersetzung 6/06. Das Original trägt den Titel: „A Reservoir of Living Water“. 02153 150